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Birma, Burma, Myanmar: Terror im Dschungel (Update)
• Ressort: artikel · Kategorie: Medien Nachrichten
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Das Volk der Karen in Birma wird ‘ethnisch gesäubert’
Die Karen sind die größte Minderheit in Birma.
Update: Arte mit einer weiteren einsdrucksvollen Reportage
Birma – Die Generäle gegen das Volk
ARTE sendet aus Anlass der Krise in Birma eine Dokumentation des britischen Reporters Evan Williams, der aufgrund seiner regimekritischen Berichterstattung auf der schwarzen Liste der Junta steht. Als Tourist getarnt trifft der Journalist Regimegegner und begleitet eine Sanitätseinheit der Untergrundarmee Free Burma Rangers, die vor allem der von der Junta gnadenlos verfolgten Bevölkerungsminderheit der Karen beizustehen versucht.
Regie: Evan Williams (Grossbritannien, 2007, 50mn) ARTE
Quelle: Arte +7 Birma – Militär gegen Mönche,
Diese sehr eindrucksvolle und bewegende Birma Reportage ist ab 18.10 22:55 für sieben Tage im Internet im Rahmen des neuen Arte Angebots Arte +7 anzusehen.
Reportage “Myanmar – Verdammt im Dschungel” bei Arte
Der Journalist François Keller hat auf Arte eine sehenswerte Reportage veröffentlicht. Er ist heimlich in Birma eingereist und hat mehrere Wochen eine Kolonne der Free Burma Rangers, einer Hilfsorganisation (Info s.u.), begleitet. Diese Reportage Myanmar – Verdammt im Dschungel wird von Arte auch als 22 Minuten langes RealPlayer Video (Direktlink) bereit gestellt.
Terror gegen die Zivilbevölkerung
Menschenhandel, Drogenhandel, Kindersoldaten und nicht zuletzt Versklavung sind eine Folge des Krieges gegen die Karen. Bei sueddeutsche.de gibt es eine Reportage, die am 29. Juni 2007 veröffentlicht wurde. Erschreckend ist auch hier die Berichterstattung über die Benutzung von Kindern als Kindersoldaten und der unmenschliche Terror gegen die Zivilbevölkerung.
In keinem anderen Land der Welt, so hat es Human Rights Watch ermittelt, kämpfen mehr Kindersoldaten als in Birma. Auf beiden Seiten. Kinder gegen Kinder. Die birmanische Armee hat nach Schätzungen der Menschenrechtsgruppe 80.000 Kinder unter Waffen. Die meisten von ihnen wurden auf dem Schulhof zwangsrekrutiert, ohne Wissen ihrer Eltern. Arme Familien lockt das Regime mit ein paar Säcken Reis und dem Ruf “Tapfere Sprosse braucht die Nation‘‘.
Bevor die Truppen in den Dschungel Ostbirmas geschickt werden, pumpt man sie mit Alkohol und Amphetaminen voll. Es wird ihnen befohlen, Frauen und Kinder zu vergewaltigen. Ganze Gegenden werden zu “Free Fire Zones” erklärt. Dort gilt kein Gesetz. Aufständische Dörfer werden niedergebrannt, 3000 in den vergangenen zehn Jahren. Die Soldaten töten das Vieh der Bauern. Und sie verminen die Gemüsefelder, damit die vertriebenen Dorfbewohner nie mehr zurückkehren können.
Wer von Birma über die Grenze nach Thailand flieht, den erwartet anscheinend nicht ein besseres Leben, sondern ein Leben geprägt von Ausbeutung, Willkür und Unterdrückung.
In Thailand können sie billige Fabrikarbeiter gut gebrauchen. Sie zahlen sie schlecht, behandeln sie noch schlechter. Die meisten erhalten von ihren Arbeitgebern selbst dann keine Originalpapiere, wenn sie vom Staat eine Arbeitsbewilligung erhalten haben – nur Kopien davon. Fotokopien erkennt die thailändische Polizei aber nicht an und weist alle Birmanen aus, die sie erwischt. Gegen etwas Schmiergeld können sie noch am selben Tag wieder zurück. Es sind dies kleine Akte der alltäglichen Demütigung. Die schönsten Villen in Mae Sot gehören den Polizisten.
Vor einem Jahr erließ die thailändische Regierung ein Gesetz, das es den mehr als zwei Millionen Birmanen im Land untersagt, Mobiltelefone und Motorräder zu besitzen. Öffentlich dürfen nie mehr als fünf von ihnen zusammenstehen. Und abends um acht Uhr beginnt für Birmanen die Ausgangssperre, die bis sechs Uhr morgens dauert. Bis zum Arbeitsbeginn.
Quelle: Massenmord am Volk der Karen – Gepeinigt im gelobten Land
Update: Satellitenbilder beweisen den Terror in Birma
Spiegel Online berichtet am 28.9.2007: Satellitenbilder belegen Grausamkeiten in Burma
Jetzt aber ist es der American Academy for the Advancement of Science (AAAS) gelungen, Berichte der Regimegegner zu belegen. Die AAAS, größter Forscherverband der Welt und Herausgeber des renommierten Fachblatts “Science”, hat heute eine Reihe von Satellitenbildern veröffentlicht. Sie liefern nach Angaben von Experten klare Beweise dafür, dass Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Burma authentisch sind.
Der Spiegel verlinkt allerdings nicht zum Originalbericht der AAAS. Große Onlinekompetenz fürwahr. Kann doch nicht so schwierig sein; schließlich schafft man es ja auch zu internen Artikeln zu verlinken. Hier die Links:
- Satellite Images Corroborate Eyewitness Accounts of Human Rights Abuses in Burma, AAAS Reports
- Despite such challenges, AAAS precisely mapped the locations of 31 of some 70 reported human rights violations by comparing field notes with information provided by the U.S. National Geospatial-Intelligence Agency. Satellite image analysis then revealed physical evidence to corroborate reported instances of human rights violations at 25 of the 31 accurately mapped sites. Wherever possible, Bromley compared archival satellite images with newly acquired shots to examine sites before as well as after the reported military activity. In other cases, recent images revealed clear signs of destruction.
- AAAS
Nachtrag: Heise verlinkt besser als der Spiegel: Burma: Nachweis von Menschenrechtsverletzungen durch Satellitenbilder
Informationen zur Filmreportage
In den unzugänglichen birmanesischen Bergen, abseits vom Blick der Weltöffentlichkeit, scheint die Militärdiktatur Myanmars „ethnische Säuberungen“ im großen Stil zu betreiben. Nach sechzig Jahren Bürgerkrieg wollen die Generäle offenbar auch noch den letzten Widerstand des für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Volkes der Karen brechen. So werden systematisch alle zu dieser Ethnie gehörenden Menschen gejagt. Sobald die Regierungsarmee auf Karen-Dorfbewohner trifft, wird ohne Vorwarnung geschossen, Soldaten brennen die Dörfer nieder und legen Anti-Personen-Minen. Eine Terrorpolitik mit dem Ziel, die ganze Region von den Karen-Einwohnern zu „säubern“.
Die direkte Folge: Durch die Wälder Myanmars irren eine halbe Million Flüchtlinge. Viele werden Opfer von Minen. Keine konventionelle Hilfsorganisation wagt sich auf dieses gefährliche Terrain. Lediglich die „Free Burma Rangers“ – eine Gruppe von westlichen und einheimischen Freiwilligen – teilt den Alltag der Kriegsopfer.
Diese Hilfsgruppen bestehen aus Sanitätern und Kameraleuten und helfen den Zivilisten in der Kampfzone. Alle Hilfsgüter werden zu Fuß oder auf Pferden transportiert. Während die medizinischen Helfer Kranke und Verletzte behandeln, sammeln andere mit Kamera und Fotoapparat Zeugenaussagen und Beweise für die Übergriffe der Regierungstruppen Myanmars. Auch die Helfergruppen stoßen im Dschungel immer wieder auf feindliche Patrouillen. Die so genannten „Rangers“ haben sich zum Selbstschutz bewaffnet, und bei ihren Einsätzen unterstehen sie den Kämpfern der K.N.U. (Nationale Union der Karen).
Unser Reporter François Keller ist heimlich nach Myanmar eingereist, wo er mehrere Wochen lang eine Kolonne der „Free Burma Rangers“ begleitet hat. In seinem Beitrag zeichnet er das Portrait des jungen Maw Naw, eines freiwilligen Karen-Krankenpflegers, der unter Einsatz des eigenen Lebens seinem Volk Rettung bringen will.
Quelle: Myanmar – Verdammt im Dschungel
- Direktlink zum Video 22 Minuten (RealPlayer erforderlich)
Links und Lesezeichen
- irrawaddymedia.com – Aktuelle Nachrichten und Fotos aus Birma
- freeburmarangers.org – Die Webseite der Hilfsorganisation Free Burma Rangers
- Amnesty International Report Union of Myanmar
- Wikipedia: Birma – Hier gibt es auch einen Absatz zur Namensklärung Birma, Burma oder Myanmar
- Wikipedia: Bewaffnete Konflikte in Birma – Hintergrundinformationen
- Bewaffnete Konflikte in Birma bestehen seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Birma (Burma) 1948 bis heute. Hierbei kämpften und kämpfen Rebellengruppen aus ethnischen Minderheiten in verschiedenen Landesteilen für mehr Autonomie oder Unabhängigkeit gegen die Zentralregierung und deren Armee.
Kongo, Afrika, Wahlen: Ein etwas anderer Wahlkampf (Update)
• Ressort: artikel · Kategorie: Medien
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Die Zeit – Das Kongo-Wahl-Tagebuch
Merlix, Mann der Herzdame, Kämpfer im Bett und Baströckchen-Herbeischreiber hat ein Kongo-Blog ausgegraben, das man als Leseempfehlung sehr ans Herz legen kann.
Die Zeit: Das Kongo-Blog
Andrea Böhm, ZEIT-Redakteurin, berichtet im Tagebuch-Stil über ihre Eindrücke im Kongo.
Wir erinnern uns, dort ist Wahl am Sonntag. Es sind gerade eben erst fünf Artikel verfügbar, aber die haben es bei aller lakonischen Leichtigkeit der Schreibe in sich.
Update 6.12.2006: Wenn ich richtig gezählt habe, dann sind bis zum 29.11.2006 22 lesenswerte Beiträge und eine Urlaubsmeldung, auf dem Kongo-Blog der Zeit zusammen gekommen. Wer sich also ein wenig für die Einführung der Demokratie im Kongo interessiert, der sollte mal wieder beim Kongo-Blog vorbei schauen.
(Quelle: Berliner Umschau – Zeit des Umschwungs im Kongo) (...) Seit der Erlangung der Unabhängigkeit von Belgien am 30. Mai 1960 gab es keine Wahlen mehr im Kongo – der Urnengang, aus dem Patrice Lumumbas Partei MNC als Siegerin hervorging, fand wenige Tage vor diesem Datum statt. Nun erlangte Joseph Kabila das erste, durch universelle, freie Wahlen legitimierte Präsidentschaftsamt und setzte sich gegen seinen schärfsten Konkurrenten Jean-Pierre Bemba durch. (...)
So fängt es bei Andrea Böhm an:
Eigentlich hatte ich mir geschworen, nie ein solches Flugzeug zu betreten. Ein russisches Propellermodell, geschätztes Baujahr 1976, gefühltes Baujahr 1946. Aber es ist die einzige Möglichkeit, nach Kamituga zu kommen, einer Goldgräber-Stadt in Süd-Kivu, 140 Kilometer von Bukavu entfernt. Mit dem Auto dauert die Reise zwei Tage, mit dem Flugzeug zwanzig Minuten – und von Bukavu nach Kamituga fliegen nur ukrainische Piloten mit ihren hellbraunen Herrensandalen und verbeulten Maschinen. (...)
Die kongolesische Lehre ihres ersten Tages ist:
(...) Die Grenzen zwischen Bestechung und Überlebenskunst sind fließend in einem Land, wo man am Morgen nicht weiß, ob man bis zum Abend etwas gegessen haben wird. Das gilt auch für die unermüdlichen Marschierer, die draußen vor der Tür auf Freibier und Palmwein warten. Doch genau das hat Kibalas Wahlkampfkomitee in der Eile vergessen. Also kriegen die verschiedensten Gruppen Geld, um sich für den Abend selbst zu versorgen. Denn wenn die Leute in der Stadt herumerzählen, „dass es bei Kibala nichts zu trinken gibt“, sagt Kibala, „dann habe ich schon verloren.“
Lesenswert!
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