Medien, Hamburg: Lifestyle-Magazin Max zahlt keine Foto-Honorare für Flickr Fotos (Aktualisierung)

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MAX – PS: Leider können wir kein Honorar bezahlen …

Pfeifen im Wald, ach sind wir toll, ist doch sowieso alles frei verfügbar und außerdem sind wir schließlich ein Profit Center. Da kommt der günstige Einkauf direkt vor der Gewinn-Ausschüttung.

Aus der Serie „Wie melke ich das Internet“.

Die Aktualisierung zu Artikeln in Spiegel Online und mmm (ver.di) findet sich weiter unten.

MAX schreibt Bettelbrief an Flickr Benutzer

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Am 10. Juli veröffentlichte der User thodue bei Flickr einen Form-Bettelbrief des Magazins MAX, in dem er um die Überlassung von Bildern in druckfähiger Qualität „hochaufgelöst in 300 dpi“ plus einige redaktionelle Zusatz-Informationen gebeten wurde. Ach so, und ein Portrait-Foto des Fotografen möchte man auch gerne haben. Natürlich gibt es auch eine kleine Einschränkung:

(...) Wie Sie sich vorstellen können, müssen wir mehr Fotos bei den Flickr-Fotografen anfragen als wir in einer Ausgabe drucken können. Sollten Sie uns Ihr Bild zusenden und es dann in der kommenden Ausgabe nicht finden, heißt das nicht, dass wir es nicht drucken werden. Es kommen ja noch weitere Hefte! (...)

Logisch, das ein Flickr Benutzer sich an die Arbeit macht, den Auftrag (ups) erledigt und dann gerne auf weitere Möglichkeiten wartet, und wartet, und wartet, ...

Das Wichtigste stand nach bester Direkt-Marketing Manier im PS:

(...) P.S. Die vielleicht wichtigste Frage zum Schluss: Wir können leider kein Fotohonorar bezahlen. Aber jeder Flickr-Fotograf wird namentlich genannt, bekommt also einen Credit. Und eine MAX-Ausgabe gibt’s natürlich per Post.

Die letzten beiden Punkte sind in Deutschland festgelegt. Ohne Namensnennung ist die gängige Strafe doppeltes Foto-Honorar, in diesem Fall dann wohl die berühmte Doppelnull. Eine Ausgabe mit dem gedruckten Beleg nennt sich Belegexemplar. Die vereinfachte Abrechnung nach Belegexemplar nennt sich Anstrich, weil die Foto-Redaktion im Heft das gedruckte Foto anstreicht bzw. auf dem Titel einen Vermerk macht. Beides sollte im Imperium von Hubert Burda selbst bei Praktikanten bekannt sein. Die kleine Burda-Unterabteilung „Verlagsgruppe Milchstraße“ ist nach Selbstdarstellung auch gerade erst 30 Jahre erfolgreich auf dem Markt.

Nach 30 Jahren, in denen viele weitere innovative Zeitschriften erfolgreich in den Markt eingeführt wurden – wie z.B. TV SPIELFILM, FIT FOR FUN, MAX, AMICA, TOMORROW und MY LIFE – gehört die VERLAGSGRUPPE MILCHSTRASSE nun seit Ende 2004 zum Münchner Medienkonzern HUBERT BURDA MEDIA und wird unter der Geschäftsführung von Andreas Mayer als eigenes Profit Center geführt.

Man bringt nach zwei veröffentlichten Studien zu urteilen auch einiges an bedrucktem Papier unter die Leute:

(...) Gesamtreichweite der
VERLAGSGRUPPE MILCHSTRASSE
9,39 Mio. (MA 2005/II)
10,43 Mio. (AWA 2005)

Reichweiten der einzelnen Titel:
Titel MA 2005 II AWA 2005
TV SPIELFILM 7,06 Mio. 7,89 Mio.
CINEMA 0,80 Mio. 1,23 Mio.
FIT FOR FUN 1,70 Mio. 1,98 Mio.
MAX 0,49 Mio. 0,68 Mio.
MY LIFE k.A. k.A.

MA (Media-Analyse, zweimal im Jahr erhoben)
AWA (Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse, einmal im Jahr erhoben) (...)

Jetzt habe ich natürlich die ganze Zeit bösartig unterschlagen, dass der Bettelbrief (noch) nicht für Titelfotos gilt, sondern ‚nur‘ für eine kleine, völlig unbedeutende und eigentlich gar nicht wahrgenommene Foto-Strecke gilt:

(...) die Zeitschrift MAX, Deutschlands monatliches Foto- und Lifestyle-Magazin, druckt seit vier Monaten in jeder Ausgabe ein mehrseitiges Flickr-Portfolio mit den besten Fotografien aus Flickr. Der Zuspruch, den wir bekommen, ist enorm, Deshalb möchten wir die Serie auch in den kommenden Heften fortsetzen. (...)

Logisch eigentlich, dass man dafür kein Honorar bezahlen kann, oder? Man kann das Engagement kostenlos an tolle Bilder zu kommen auch nicht mehr auf Praktikanten schieben. Es geschieht, wie man so sagt „im großen Stil“ beim Lifestyle-Magazin MAX.

Das Beispiel Mai 2006 gibt es bei Flickr und auch den Juli 2006

Bei Flickr unterhält die MAX passenderweise ein eigenes Spinnennetz Foto-Grüppchen „MAX Magazine“, um Bilder zu sammeln [und auch eine Published in MAX Gruppe]:

(...) 2. Zum Ablauf

Gegen Ende des Monats stöbert unsere gesamte Redaktion durch alle “eingesandten” / hochgeladenen Bilder der Gruppe – und stellt dann ein Very-Best-Of des Monats zusammen. Die “Lieblinge” der Redaktion werden dann persönlich von der MAX-Bildredaktion angeschrieben. Die Redakteure fragen nach, ob es Interesse daran gibt in der MAX Printausgabe zu erscheinen (mit seinem Bild, einem Porträt des Fotografen und einer kurzen Geschichte des Bildes). Bei einem OK schickt der Fotograf dann sein Bild in High-Res. Niemand muß mitmachen, jeder darf.

3. Was ist der Lohn meiner Arbeit?

Es gibt leider kein Honorar für das Bild – seht es als “Competition” an. Für Newcomer-Fotografen, die noch nie Bilder einer großen Öffentlichkeit präsentieren konnten, ist das eine Chance “entdeckt” zu werden. Immerhin gibt es ca. 3 Millionen Fotografen bei Flickr – und Millionen Bilder, gehen in der Fülle unter, obwohl sie phantastisch sind. Durch MAX werden die Bilder in Hochglanz, in einer Auflage von über 200 000 an allen deutschen Kiosken liegen. Und für alle Profis ist es eine Chance seinen Namen zu promoten und internationale Kontakte zu machen. Denn auch als Profi gibt es einen “Marktwert”, wie bei anderen Künstlern, je mehr Ausstellungen man gemacht hat, desto “wertvoller” werden die Bilder und wenn ihr dann mit der Hilfe von MAX einen Namen wie z.B. “Terry Richardson” habt, dann zahlt jedes Magazin für eure Bilder! Auf alle Fälle: Bisher haben sich alle Beteiligten sehr gefreut! Und natürlich gibt es danach auch ein Belegexemplar. (...)

MAX bekommt nette Antwort

Die Antwort des Flickr Benutzers thodue kann man sich gerne für ähnliche oder dieselben Fälle beiseite legen. Eine solche Vorlage kann ja nie schaden:

(...) Danke für Ihre Anfrage. Und um gerade heraus zu antworten: Nein, ich möchte nicht “Teil der nächsten MAX-Ausgabe” werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Wie Sie schon selbst ganz richtig bemerkt haben, kommen Sie erst ganz am Ende unter P.S. zur “vielleicht wichtigsten Frage” und geben unverblümt die Antwort, dass Sie nicht gewillt sind für Fotos, die Ihnen gefallen, ein Fotohonorar zu zahlen. MAX ist ein kommerzielles Produkt, für das die Leser am Kiosk oder im Abo zahlen müssen und so Einnahmen generiert werden. Fotografen – ganz gleich ob Amateure oder Professionelle aus dem Flickr-Umfeld einbinden zu wollen und mit einem Kurzporträt und einer absolut selbstverständlichen Namensnennung zu “entlohnen”, halte ich für verfehlt und gräbt beispielsweise Freien Fotografen, die ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Bilder bestreiten müssen, zusätzlich das Wasser ab. Das kann und werde ich in diesem Fall nicht unterstützen.

Außerdem würden Sie sich freuen, wenn Sie zu dem für Sie honorarfreien Foto auch noch ein “paar Zeilen” geliefert bekommen. Sie bitten also vor dem Hintergrund, dass eine Veröffentlichung nicht gesichert ist, außerdem um “ehrenamtliche” Arbeit. Ja, wo sind wir denn? (...)

Vielleicht sollten die Fotografen der veröffentlichten Fotos nachträglich Rechungen schicken? Diejenigen,die nicht berücksichtigt wurden, könnten es mit einer Aufwandsentschädigung versuchen?

MAX bekommt Reaktionen

Der bekannte Medien-Blogger Don Alphonso verfasste unter Die Grenzen des AAL-Systems (AAL = Andere Arbeiten Lassen) einen pointierten Artikel.

(...) Wir sind hier am Ende des AAL-Prinzips. Es wird sicher noch weitere Versuche geben, die Kosten für Journalismus zu senken und eine Leserbindung durch Ranschleimen zu generieren, aber dieses System hat Grenzen. Wer gut ist, kennt den Wert der eigenen Arbeit. Flickr brauchen MAX nicht, MAX meint, Flickr zu brauchen. Die Regeln haben sich geändert. Wer schlecht ist und dumm, macht vielleicht gerne mit – aber das ist schlecht für die Zeitung. (...)

Thomas Knüwer, beschäftigt beim Handelsblatt, schreibt in seiner Internet Publikation Indiskretion Ehrensache zum Thema „Schluss mit Robbie und mit Lustig“ in einem Nebensatz:

(...) Im diesem Fall vermute ich – im Gegensatz zu dem, was bei “Max” abläuft – keinen bösen Willen, (...)

Aktualisierung: Artikel in Spiegel Online und mmm (ver.di)

Neben der fortlaufenden Diskussion rund um MAX im Internet z.B. bei der Flickr Fotogruppe ist das Thema mittlerweile auch bei den gedruckten Medien vertreten. Eine Nachlese:

mmm: Bettelbrief an Flickr-Benutzer

Menschen machen Medien 9/2006

Die medienpolitische Zeitschrift MMM von ver.di hatte im September 2006 das Titelthema „Bürgerjournalismus – Billige Reporter“. Auf Seite 11 druckte MMM meinen Artikel Bettelbrief an Flickr-Benutzer über die umstrittene Vorgehensweise von MAX.

Magazin Max schmückt sich mit honorarfreien Amateurfotos

Die Foto-Community Flickr hat nach eigenen Angaben über drei Millionen registrierte Benutzer. Die meisten sind Amateurfotografen. Die Flickr-Benutzer wollen Gemeinschaft und weniger die Vermarktung. Die öffentlichen Fotos sind bei Flickr frei verfügbar, unterliegen aber einem Copyright. Das professionelle Lifestyle-Magazin Max hat in der Flickr-Gruppe „germany“ eine Diskussion unter der Überschrift „Kostenlose Fotos für MAX“ ausgelöst. (...)

Spiegel Online: Du knipst – ich verdiene

Spiegel Online 4.10.2006

„Du knipst – ich verdiene“ lautet der Titel den Spiegel Online am 4. Oktober 2006 veröffentlichte.

Andere arbeiten lassen und möglichst wenig dafür bezahlen: Diesem Prinzip folgen inzwischen mehrere deutsche Printmedien. Hobby-Knipser liefern gegen Honorar oder gar kostenlos Bilder zu – und machen so klaglos mit bei der Entwertung professioneller Arbeit. (...) Auf gut deutsch: Das Hochglanzmagazin eines großen Verlagshauses, ein durchaus kommerzielles Produkt, bedient sich zum Nulltarif an den Arbeiten Dritter und speist sie mit einem Almosen ab. Erstaunlicherweise sind sich beinahe tausend Mitglieder der entsprechenden Gruppe für diesen Nepp nicht zu schade. (...)

Quelle: Spiegel Online

Wobei ich das Wort „Almosen“ noch als sehr großzügig gewählt empfinde :-)

In dem Spiegel Artikel werden auch andere Foto Auswerter angesprochen. Lesenswert! Es ist schade, dass Spiegel Autor Richard Meusers nicht auf die Flickr Gruppe Germany oder andere Quellen verweist.

MAX – Alles nur Zufall?

Eigentlich ist es doch sehr nett die Bilder abzudrucken, oder? Und man hat ja auch den ganzen Aufwand und muss Papier einkaufen und überhaupt …

Von Benutzern geschriebener Inhalt (User Generated Content = UGC) eignet sich im großen Maßstab hervorragend dazu, um ein wenig Geld zu verdienen. Reden wir mal von einigen Millionen und rein zufällig (natürlich) tauchen ein paar Namen erneut auf:

Tomorrow Focus übernimmt HolidayCheck

(...) 9 Millionen Euro für 51 Prozent der Anteile ... Neben Tomorrow Focus hat sich auch die Burda Digital Ventures GmbH zu 29 Prozent an der HolidayCheck AG beteiligt. ... (...)

Bei HolidayCheck bewerten Benutzer unentgeltlich, na ja, so wertlosen Kram:

(...) Der zentrale Bestandteil des operativen Geschäfts ist eine täglich wachsende Hotelbewertungsdatenbank sowie ein umfassendes Archiv von Fotos und Informationen, das von den Nutzern zur Verfügung gestellt und gepflegt wird. (...)

Alles reiner Zufall …

Veröffentlicht am 4. Oktober 2006 von Markus Merz
Sven | 16. Juli 2006 | Direktlink

Vielleicht gehn die auch nur grad Pleite….? ”...kann nicht…zahlen” sag ich dann, wenn ich kein Geld hab’... ;-)

dirk | 18. Juli 2006 | Direktlink

manueller TB:
MAX melkt Flickr-Accounts, Profit geht vor Honorar
“Wer spendet nicht gern mal was für einen “guten Zweck” und sei es ein Foto für UNICEF oder einer NGO. Doch jetzt zocken schon profitable Unternehmen Fotos von Amateuren und Profis ab…”
http://foto.germanblogs.de/archive/2006/07/18/o0w23tp5mgp6.htm#fulltext

bembelkandidat | 19. Juli 2006 | Direktlink

max meldet sich bei flickr und hält, d.h. sein stv. chefredakteur alexander böker hält den begriff “abzocken” in diesem zusammenhang für justiziabel.
keine ahnung ob das jetzt eine indirekte drohung sein soll, gar eine einschüchterung oder ich mir einen anwalt zulegen muß, auf jeden fall ist es keine diskussionsfreudige und aufgeschlossenen art, mit kritik am eigenen verhalten umzugehen.
immerhin geht alexander böker nach seinem “justiziablen brüllen” in seinem posting recht ausführlich auf die diskussionen um die honorarfreie veröffentlichung von flickr-fotos bei MAX ein. zu später stunde habe ich mich auch noch darauf eingelassen und erwidert.
soll ich mir nun gedanken machen…?
hülfe! MAX zahlt kein honorar für flickr-fotos und hält “abzocken” für justiziabel

Anmerkung von Markus Merz - @Dirk alias bembelkandidat: Ich schätze Kommentare sehr und bin ja auch gerne bei der Verlinkung von Webseiten behilflich, aber die Angabe einer nicht zustellbaren Email-Adresse halte ich nicht für die feine Art!

Tim L | 24. Juli 2006 | Direktlink

Trackback

r. | 4. Oktober 2006 | Direktlink

Moin Markus,
Danke für den Hinweis in meinen Kommentaren!

Stephan | 6. Oktober 2006 | Direktlink

Hi Marcus, sehe das ganze etwas lockerer,da es fuer mich nur ein Hobby ist. Habe meine Bilder auch schon fuer 3 Magazine kostenlos zur Verfuegung gestellt.Mehr dazu hab ich hier geschrieben

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