Hamburg.de will anscheinend kostenlos Hamburg Fotos abgreifen

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HH Fahne im Regen

Keine Antwort ist auch eine Antwort

‚Offizielles Stadtportal‘ hamburg.de will kein Fotohonorar zahlen. Das schließe ich aus dem unten zitierten Mailwechsel und der nicht erfolgten Antwort. Das moderne Internet mit seinen vielen schönen Diensten, auch und speziell für Kreative, lädt dazu ein, sich mal eben im Vorbeigehen mit den Werken anderer Leute für die eigenen durchaus profitorientierten Zwecke einzudecken. Auch die kommerzielle Werbeplattform für Hamburg hamburg.de mit dem Mehrheitsgesellschafter Axel Springer Verlag will sich allem Anschein nach in die lange Reihe der ekligen AAL Abgreifer einreihen (AAL = Andere Arbeiten Lassen). Weitere Beispiele für dieses dreiste AAL Verhalten habe ich unten verlinkt.

Zur Erinnerung – Hamburg.de: Die Stadt ist nur mit 20 Prozent beteiligt. 51 Prozent hält die Axel Springer AG, 29 Prozent teilen sich Banken: die HSH Nordbank, die Haspa, die Sparkasse Harburg-Buxtehude.

5.8.2008: Sie haben eine FlickrMail von hhnetz erhalten:

:: Bildmaterial für hamburg.de

Sehr geehrter Herr Merz,

bei einer Internetrecherche sind wir von hamburg.de auf
Ihre Hamburg-Fotos gestoßen. Gerne würden wir diese mit
Ihrer Zustimmung und unter Nennung Ihres Namens für das
offizielle Stadtportal verwenden. Gerne nehmen wir Sie auch
in den Kreis unserer Partnerfotografen auf
(Link entfernt)

Über eine Zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichem Gruß
(Name entfernt)
Contentmanagerin

Meine Antwort am selben Tag

Hallo Frau (Name entfernt),

und wie sieht es bei Verwendung mit Honorar aus?

Mit freundlichen Grüßen

Markus Merz

Bis heute, 24.8.2008, ist keine Antwort eingegangen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das so alles im Sinne der Freien und Hansestadt Hamburg ist, was da auf dem ‚offiziellen Stadtportal‘ passiert, aber Hamburg hat ja seine Anteile an hamburg.de an die Privatwirtschaft verhökern müssen. Und die macht das Beste, nämlich Geld, daraus.

Nachtrag 25.8.2008 – hamburg.de zahlt kein Honorar

Nach dann doch schneller Reaktion – kurzes Hin und Her wg. abgreifen – auf diesen Artikel per Twitter und Kommentar des Geschäftsführers (s.u.) kam dann per Mail folgende Antwort von hamburg.de:

Sehr geehrter Herr Merz,

bitte entschuldigen Sie, dass Sie auf Ihre Anfrage nach einem Honorar für die Überlassung von Veröffentlichungsrechten er von Ihnen auf flikr.com veröffentlichten Bildern erst jetzt eine Antwort erhalten.

hamburg.de zahlt kein Honorar für die Veröffentlichung von Bildern. Stattdessen bietet hamburg.de Fotografen, die eine größere Zahl von Bildern der auf hamburg.de veröffentlichen, die Möglichkeit, sich und ggf. Ihre Homepage einem breiten Publikum zu präsentieren. In dieser Form arbeitet hamburg.de mit einer Reihe von Hamburg-Fotografen erfolgreich zusammen. Die Rückmeldungen unserer Partner-Fotografen waren bisher – auch ohne Honorar – durchgehend positiv.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unter diesen Bedingungen bereit sind, Ihre Bilder auf hamburg.de zu präsentieren.

Mit freundlichen Grüßen
(Name entfernt)
Produktmanagement

AAL und Urheberrecht – Links und Lesezeichen

Veröffentlicht am 24. August 2008 von Markus Merz
Georg | 25. August 2008 | Direktlink

Korrekt, wir fragen bei guten Hamburg-Photographen an, ob wir einzelne Motive auf dem Stadtportal hamburg.de verwenden dürfen. Ich kann darin beim besten Willen nichts verwerfliches erkennen. Wir sehen ein schönes Bild von einem fitten Photographen. Wir fragen an, ob er/sie einer Verwendung auf hamburg.de zustimmen würde. Wenn ja, freuen wir uns darüber und nennen natürlich den Urheber als Quelle. Wenn nein, respektieren wir dies und verzichten natürlich auf Verwendung. Ein vollkommen unspektakulärer Vorgang.

AAL Abgreifer“ ist hierfür als Ausdruck doch ein wenig daneben, oder? Vielleicht noch ein „raffgieriger“ davor, damit’s spektakulärer klingt? SCNR

Natürlich ist es nicht OK, dass der zitierte Photograph auf seine Honorar-Frage bislang offenbar keine Antwort erhalten hat.

Markus Merz | 25. August 2008 | Direktlink Georg,

leider gibt es ein Muster und dieses Muster zieht sich mittlerweile durch so ziemlich viele User Generated Content (UGC) Seiten. Dass die Verlage beim AAL Prinzip da besonders 'raffgierig' hervorstehen verlangt eben nach Annahmen und Berichterstattung darüber. Das 'Abgreifen' wird konkret, wenn man die Pressemitteilungen über die Millionenbeteiligungen von Medieninhabern bei UGC Projekten erfährt. S.a. (aus dem MAX Artikel):

Tomorrow Focus übernimmt HolidayCheck

(...) 9 Millionen Euro für 51 Prozent der Anteile ... Neben Tomorrow Focus hat sich auch die Burda Digital Ventures GmbH zu 29 Prozent an der HolidayCheck AG beteiligt. ... (...)

Bei HolidayCheck bewerten Benutzer unentgeltlich, na ja, so wertlosen Kram:

(...) Der zentrale Bestandteil des operativen Geschäfts ist eine täglich wachsende Hotelbewertungsdatenbank sowie ein umfassendes Archiv von Fotos und Informationen, das von den Nutzern zur Verfügung gestellt und gepflegt wird. (...)

Alles reiner Zufall …

Eigentlich nichts Besonderes. Eher 'business as usual'.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Merz
Martina | 25. August 2008 | Direktlink

Mir ist ähnliches mit dem WDR Fernsehen passiert. Eine Quizsendung wollte für eine Sendung gerne ein digitales Bild von mir verwenden.

Da ich zu dem Zeitpunkt keinen Ton herausbrachte, bat ich um die Zusendung einer E-Mail. Die Dame schrieb mir dann eine, der ich entnehmen konnte, dass hinter der Sendungsproduktion ein doch verhältnismäßig großer Konzern japanischer Herkunft steht. Tja, und da habe ich dann angeboten, dass sie das Bild gegen ein entsprechendes Honorar gerne im Fernsehen 1x ausstrahlen dürfte, im Wiederholungsfall wir dann allerdings nochmal über ein Honorar verhandeln müssten.

Die Antwort von ihr darauf kam ganz schnell und war recht kurz: „Danke, dann nicht!“

Tja, offensichtlich scheint das AAL-Prinzip immer weiter um sich zu greifen….

Nils | 26. August 2008 | Direktlink

Im hamburg.de-Blog schreiben sie:

Wir klauen nix, wir fragen nett an, wir nennen den Urheber, wir sind bereit individuelle Kooperationen mit Photographen (z.B. Link zur eigenen Photographen-Homepage) einzugehen (…)

Da mag sich der eine oder andere Profifotograf drüber freuen, wenn ein Link auf seine Seite gesetzt wird – davon kann er sich aber auch kein Brötchen kaufen. Und wie in dem Beitrag im hh-Blog erwähnt, wird sich fleißig in flickr-Accounts umgeschaut. Ich behaupte einmal, dass der Großteil der flickr-ianer keine Profifotografen sind, die davon leben wollen, sondern Hobbyfotografen. Eine Verlinkung auf die entsprechende flickr-Seite wäre also ziemlich billig und überflüssig, da darüber auch keine Nachfolge-Aufträge (wie eventuell bei der Homepage eines professionellen Fotografens – da kämen also doch u.U. Brötchen zustande) generiert werden könnten. Ein kleiner Obolus wäre also nett – aber anscheinend nicht rentabel für hamburg.de. Also nix Honorar.

Jan | 26. August 2008 | Direktlink

Ich versteh das Problem hier grade gar nicht. Hamburg.de hat doch bloß gefragt, nichts geklaut oder irgendwa irgendwie verwerfliches getan. Wenn du unbedingt Geld verdienen willst, musst du dir halt jemand anderes suchen, der deine Bilder veröffentlichen will. Was soll denn die ganze Aufregung? Sag denen einfach, dass du das nur gegen Geld machen willst und fertig ist die Laube.

Wenn Hamburg.de gewillt wäre, Geld für Fotos auszugeben, würden sie mit Sicherheit einen Profifotografen beauftragen, statt mühsam bei Flickr rumzusuchen.

Markus Merz | 26. August 2008 | Direktlink

Hallo Jan, das Muster bzw. Prinzip ist das Problem. Und Absicht ist natürlich auch die Sensibilisierung der Benutzer für solche Themen.

Einfach gesagt ist jedes Absaugen von ‚kostenlosen‘ Inhalten ein Knabbern am Lebensunterhalt der davon leben Müssenden. Und natürlich führt jede Steigerung der Attraktivität einer Seite wie hamburg.de zu einer Steigerung der Abrufzahlen und damit zu einer direkten Steigerung des Werbeinkommens per 1.000 Besucher.

bembelkandidat | 26. August 2008 | Direktlink

Hallo Markus,
das scheint mittlerweile trauriger Standard zu sein, erst vor einer Woche wollte mal wieder eine Agentur kostenlos von mir für eine Fotoausstellung (!) eines finanzstarken Auftraggebers (!!!) ein Foto für lau abgreifen, meiner Honorarforderung wurde nicht entsprochen, die anderen hätte die Bilder ja auch kostenlos zur Verfügung gestellt. Tja, gerne hätte ich mein O.K. gegeben, doch die waren noch nicht einmal bereit, mir ein Gegenangebot zu machen und über das Honorar zu reden, tja kein Honorar = keine Nutzungsrechte!

Das erinnert mich übrigens an die „alte“ Geschichte mit den MAX-Fotos, die seinerzeit kostenlos Flickr-Fotos in ihrer Hochglanz-Printausgabe abgedruckt haben, vielleicht erinnerst Du Dich noch daran?!?
foto blog: MAX melkt Flickr-Accounts, Profit geht vor Honorar
http://bembelkandidat.lima-city.de/blog/2006/foto-blog-max-melkt-flickr-accounts-profit-geht-vor-honorar/

Hülfe! MAX zahlt kein Honorar für Flickr-Fotos und hält “Abzocken” für justiziabel
http://bembelkandidat.lima-city.de/blog/2006/huelfe-max-zahlt-kein-honorar-fuer-flickr-fotos-und-haelt-abzocken-fuer-justiziabel/

Markus Merz | 27. August 2008 | Direktlink

Das schrieb ich gerade eben beim hamburg.de Blog als Kommentar auf Hamburg.de, der böse Photo Abgreifer?

> „fallen sofort die zahlreichen Bilder auf“ -> „dass ausreichend Raum für ansprechende Bilder vorgesehen wird“ -> „dass dies das Surfen angenehmer und zahlreichen potentiellen Touristen den Besuch Hamburgs noch schmackhafter macht“ -> „Rund 18 Millionen Seitenabrufe verzeichnet hamburg.de“

Ich nehme einfach mal an, dass ihr einen – vorsichtig geschätzt – TKP von vier Euro je einzelner Anzeige erzielt. Also vier Euro je einzelner Anzeige bei 1.000 Seitenabrufen. Stellen wir also mal 720.000 Euro in den Raum. Bei drei Anzeigen je Seite gönnt ihr eurem Konto bereits ~zwei Millionen Euro.

Jetzt ruderst Du brav zurück und sagst die Klassiker auf „wir haben Kosten“, „die Angestellten“, „die Gesellschafter“ und natürlich „wir haben gar nicht überall Werbung“. Dann kommt irgendwann die Pressemeldung „hamburg.de in den schwarzen Zahlen“ und der böse Wirtschaftsjournalist darf bei den Gesellschaftern nachfragen, was denn diese hamburg.de Beteiligung abgeworfen hat.

> „Ich lasse mal dahingestellt, ob “abgreifen” nicht schon arg wertend und daneben gegriffen ist.“

„Abgreifen“ ist so ein schönes Wort im Gegensatz zu dem von mir nicht verwendeten Begriff „klauen“, weil man damit das AAL Prinzip so schön greifbar im übertragenen Sinne von „messbar“ macht. Messbar ist im konkreten Fall und bei den anderen Fällen, wo das AAL Prinzip zum Vorschein kommt, der Maßstab der Wertschätzung eines Mediums/Medienhauses gegenüber dem abgegriffenen Inhalt. Ein Medium, dass alleine betrachtet für sich – ohne Inhalte – ein leeres Nichts ist, antwortet den Inhaltelieferanten „Ob es Honorar gebe – Nein, leider derzeit nicht“.

Ich meine man könnte den Inhaltelieferanten wenigstens beim Überleben helfen, indem man Ihnen ein paar Münzen für Lebensmittel in den Hut wirft. Aber vielleicht bevor die Inhaltelieferanten wörtlich auf der Straße vor der hamburg.de Zentrale sitzen.

H.W. | 27. Oktober 2008 | Direktlink

Markus,
Du hast doch selber gesagt, dass flickr Fotografen keine Profi-Fotografen sind. Also verdienen sie ihr Geld im Hauptberuf mit etwas anderem. Sie sind also keineswegs auf das Geld fuer ihre Fotos angewiesen, da sie ihren Lebensunterhalt anders bestreiten.

UND: Es gibt nette Menschen, die sowas gerne Machen, auch Profifotgrafen. Man wird heutzutage doch fragen duerfen, nicht wahr?

Daraus folgt: Wofuer willst am Beispiel hamburg.de ueberhaupt eine „Sensibilisierung“ vornehmen, dafuer, dass sie gefragt haben?! Es liegt naemlich in diesem Fall gar kein „Prinzip“ vor! Nur eine Frage und eine verspaetete Antwort.

Ausserdem hoert es sich danach an, als ob Du gekraenkt bist, weil Dir verspaetet geantwortet wurde.

CALM DOWN!

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