Günstige Winterstiefel für Alstereisvergnügen gesucht?
Ein neues Angebot im Internet bietet Medienkonvergenz (1) vom Feinsten für den Schnäppchen & Sonderangebote suchenden Einkaufswilligen. Die Werbeprospekte im Briefkasten kann man lässig verbieten, aber trotzdem tagesaktuell von den lokalen bunten Werbeblättern profitieren. Selbst für Touristen, die z.B. Hamburg besuchen, ist die neu vorgestellte Internet-Schnäppchenjagd hoch interessant. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die jammernden & leidenden Verlage noch nicht selber auf diesen einfachen Gedanken gekommen sind, transportieren sie doch seit jeher mit den Zeitungen & Zeitschriften die Werbebotschaften auf Papier zum Endverbraucher.
Für manche ist das Durchflöhen von Prospekten nach Sonderangeboten ein Hobby, für andere ist es geradezu überlebenswichtig, wenn man nur ein kleines (Überlebens-) Budget zur Verfügung hat. Seit dem 7.1.2010 gibt es ein kostenloses Angebot im Internet, das aktuelle Prospekte durchsuchbar und anschaubar macht und per Anzeige auf einer Straßenkarte die Einkaufsmöglichkeiten verortet. Als Bonuspunkt kommt die Anzeige der verbleibenden Restzeit für das jeweilige Sonderangebot hinzu.
Meinestadt.de bietet Suchmaschine für Werbeprospekte
Überraschenderweise kommt die Schnäppchensuche in diesem Fall nicht von einer Internetsuchgröße wie Google, sondern ist der cleveren Zusammenarbeit zweier deutscher Internetangebote zu verdanken. Das Internetportal Meinestadt.de – Stadt: Hamburg liefert Suchfunktion, Suchergebnis und die Straßenkarte für das lokale Prospektmaterial. Kaufda.de – Prospekte: Hamburg liefert im Hintergrund als technischer Dienstleister die Detailansicht der verfügbaren Werbeprospekte (Anmerkung: Problem bei kaufda.de (2)).
Die simple Verknüpfung der Angebote von meinestadt.de und kaufda.de, liefert dem Endkunden in der Kombination eine geradezu genial einfache Möglichkeit, die Angebote der Werbeprospekte zuhause am Computer zu vergleichen. Ausgehend von der Meinestadt.de Angebotseite für Hamburg kann man auf der Basisseite Folgendes tun:
- Vordefinierte Suchbegriffe anklicken
- Die gültigen Prospekte für Hamburg sehen
- Die Angebote nach Kategorien filtern
- Am Fuß der Seite sehen, welche Geschäfte aktuelles Werbematerial dort verfügbar machen
Die Königsdisziplin bzw. die Kür ist allerdings die Durchsuchbarkeit der Werbeprospekte. Ob man nun nach ‘Energiesparlampe’, ‘Winterstiefel’ oder ‘Rasierapparat’ sucht; wenn ein Prospekt das jeweilige Suchwort enthält, dann bekommt man die Werbung angezeigt und nach einem Klick landet man auf der Seite im Werbeprospekt, die den gesuchten Text enthält.
Diese neue Schnäppchensuche im Internet wurde am 7.1.2010 per Pressemitteilung der allesklar.com AG aus Siegburg bekannt gegeben. Man darf sich als Endkunde also aktuell nicht wundern, wenn noch nicht alle Werbeprospekte der Umgebung verfügbar sind. Die technische Lösung ist ab sofort verfügbar. Jetzt müssen nur noch die Werbetreibenden, also die Herausgeber der Werbeprospekte, und Meinestadt.de zusammen kommen.
Zusammenfassung & kritische Fragen
Ausgehend vom Grundgedanken ‘all business is local’ wird eine uralte Werbeform ins Internet überführt und mit einfachen & wirkungsvollen Vorteilen für den Benutzer aufgeladen.
- Werbeprospekte online durchsuchen und das Ergebnis im Originalprospekt anschauen.
- Sofort den nächsten Laden auf einer Straßenkarte anzeigen, wo man das Gefundene kaufen kann.
Die Idee ist genial einfach und der Nutzen für alle Seiten sofort offensichtlich.
Offene Fragen
Andererseits gibt es natürlich auch ein paar negative Aspekte, die schon bei diesem Kurztest der neugeborenen Schnäppchensuche auffallen bzw. Fragen aufwerfen.
- Wie kann der kleine lokale Einzelhandel davon profitieren? Ein solcher Marktplatz, wo nur die Großen ihre sattsam bekannten Stände aufgebaut haben, der wird irgendwann Abneigungen erzeugen. Ein lokaler & loyaler Kunde will ja auch wissen, was sein lokaler Einzelhandel an Angeboten bereit hält.
- Wie lassen sich Nicht-Einzelhändler einbinden? Prinzipiell stellt sich die Frage, wie dieses Modell auf andere Branchen, Geschäftsmodelle und kleinere Betriebe ausgeweitet werden kann? Oder sind z.B. bei Dienstleistern Suchen via Suchmaschine oder das Abonnieren von speziellen Newslettern doch die bessere und einfachere Lösung, weil die Einzelhandelsketten wie OBI, ALDI, Lidl eine ganz andere Masse von Endkunden abdecken?
- Wie wird die Prospektansicht für Mobilgeräte umgesetzt? Gerade die immer stärkere Verbreitung mobiler Endgeräte für das Internet muss eigentlich im Konzept abgebildet sein, will man auf Dauer erfolgreich sein. Bei kaufda.de wird z.B. für die Ansicht der Prospekte im Originallayout Flash verwendet und das ist auf vielen Mobilgeräten, z.B. iPhone, nicht verfügbar.
- Wann kann man sich Suchergebnisse z.B. per Newsletter schicken lassen? In der jetzigen Form muss man die Angebotsseite aktiv aufsuchen. Wenn der Kunde aber wissen will, wann Aldi wieder Königsberger Klopse per Konserve im Angebot hat, dann benötigt er einen entsprechenden Suchagenten (3), der für den Kunden die Angebote überwacht. Das ist deswegen wichtig, weil z.B. Aldi oder Lidl gut gemachte Newsletter verschicken, die jeder Empfänger natürlich selber entsprechend per Filter als ‘wichtig’ markieren kann.
Der Wermutstropfen – Verlage versagen
Diese Umsetzung und dieses Angebot hätte zwingend von den lokalen klassischen Medien kommen müssen. Punkt.
Genau diese Fähigkeit zur Vorteil bringenden Medienkonvergenz (1) ist es, die ein Mediennutzer von (angeblichen) Medienprofis im Verlagswesen erwarten kann. Kreative & technische Kompetenz sollte geliefert werden anstelle von Zähneklappern & Rumgeheule über die abgrundtief böse, angebliche Kostenloskultur im Internet.
Statt einer merkwürdigen ‘erster Klick ist umsonst’ Abonnement-Onlinelösung beim Hamburger Abendblatt, die sich problemlos umgehen lässt, wäre exakt diese Art von Innovation gefragt gewesen, um die werbetreibende Wirtschaft Geld bringend mit ins profitable Onlineboot zu bekommen.
Nachtrag Juni 2010: Lesenswerte Hintergrundinformation zu Kaufda in einem Artikel in der Financial Times Deutschland: Netzprospekt macht Verlagen Angst.
Fußnoten
1 Als Medienkonvergenz bezeichnet man in der Publizistik, im Rundfunkrecht und in der Kommunikationswissenschaft die Annäherung verschiedener Einzelmedien entweder in Bezug auf wirtschaftliche, technische oder inhaltliche Aspekte. Quelle: Wikipedia Medienkonvergenz
2 Problem bei kaufda.de: Das in St. Georg stark beweinte Ableben des großen 1000 Töpfe Stammhauses Lange Reihe ist zwar bei kaufda.de angekommen, aber der kleine Fotoladen von 1000 Töpfe mit dem Miniangebot in der Langen Reihe 99 wird wie eine voll ausgestattete Filiale gelistet, wo man alles kriegen kann, was im Prospekt beworben wird. Ein derartiger Fehler darf natürlich nicht passieren; schließlich will man sich auf die Adressangaben verlassen, wenn man schon losfahren muss, um das jeweilige Produkt direkt vor Ort im lokalen Einzelhandel zu erstehen. Fairerweise muss man natürlich sagen, dass letztendlich 1000 Töpfe dafür verantwortlich ist, a) im Prospekt darauf hinzuweisen wo welches beworbene Sonderangebot erhältlich ist und b) dafür zu sorgen, dass die Adressdaten über offensichtliche Einschränkungen der jeweiligen Filiale Auskunft geben.
3 Ein Suchagent ist ein Programm, vergleichbar einem virtuellen Roboter, das im Auftrag des Suchenden aufpasst und diesem die Arbeit erspart. Klassische Suchagenten sind die ‘Google Alerts’, die bei neuen Google Suchergebnissen Alarm schlagen. Aber auch jeder RSS Reader ist ein Suchagent, weil diese Programme die Ausgabe von Webseiten auf Neuigkeiten überwachen, ohne dass der Benutzer immer wieder selber die Webseite aufrufen muss, um zu sehen was es dort Neues gibt. Ein hervorragendes Beispiel für einen spezialisierten Suchagenten gibt es bei tvinfo.de. Jede erweiterte Suche lässst sich als angemeldeter Benutzer abspeichern und man kann sich die Suchergebnisse automatisch per Email zuschicken lassen.