Motoi Yamamoto: Vergängliches Salzlabyrinth in Hamburg (8 Fotos)

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Work in progress – Ich habe Sisyphos arbeiten sehen

Samstag, den 24.10.2009 um 11:00, ist es ein weiterer kalter herbtstgrauer Morgen in der geschäftigen Hamburger Innenstadt. An der Straße Große Bleichen befinden sich zwischen den Backsteinbauten des Hanseviertels zwei, wahrscheinlich wegen zu hoher Geldforderungen der Eigentümer, übrig gebliebene Häuser, um die das Hanseviertel herum gebaut wurde. Das linke von den beiden Häusern, Große Bleichen 34, ist eine Baustelle. Davor stehend, vom Straßenniveau aus, sieht man eine erhaltene alte Fassade, zwei mit Glasplatten verkleidete neue Stockwerke darüber, einen mit Folie abgehängten Bauzaun vor dem Grundstück und in der Mitte eine offene Bautür, die in den dahinter gelegenen, komplett neuen Betonrohbau führt. Das Brandhaus Lange Reihe in Hamburg St. Georg kommt in den Sinn, das sehr ähnlich einen totalen Neubau mit einer alten Fassade kaschiert.

In diesem Gebäude an den Großen Bleichen entsteht, nur für kurze Zeit und von außen unsichtbar, ein großes Salzlabyrinth von Motoi Yamamoto – erschaffen in mühseliger Handarbeit auf dem Fußboden, der als Arbeits- und Ausstellungsfläche dient. Die Bauarbeiten mit all ihrem Lärm und Baustaub werden parallel fortgesetzt. Wahrlich kein Atelier für empfindliche Naturen; Baustellen taugliche Schuhe sind für den Besuch angebracht.

Ca. 20 Meter hinter der Bautür öffnet sich in dem mit unspektakulärem Baulicht von Leuchtstoffröhren beleuchtetem Betonskelett ein großes quadratisches Loch im Boden. Abgesichert durch ein provisorisches Geländer aus grobem Bauholz blickt man durch das offene Quadrat in den ungemütlich aussehenden offenen Raum des Kellergeschosses hinunter, in den sich die ganze Kälte der Baustelle ergießt und jede Wärme nach oben aufsteigt.

Am Morgen nach der Ankunft, also am Mittwoch vor zwei Tagen, hat dort unten in dem Kältekeller der 1966 in Onomichi/Japan geborene Künstler Motoi Yamamoto mit der Arbeit an einem vergänglichen Salzlabyrinth begonnen. Aus transparenten Plastikflaschen mit spitzer blauen Tülle appliziert er gut zehn Stunden am Tag weißes Speisesalz lose auf einer schwarz gestrichenen quadratischen Holzfläche und auch darüber hinaus auf dem nackten Betonboden. Lakonisch freundlich berichtet er, dass er sich über die Kälte in Hamburg gewundert und sich als Erstes eine Erkältung eingefangen habe. Gefährlich für sein Kunstwerk sei allerdings nicht die Kälte, sondern eine Luftfeuchtigkeit über 75%. Ein einfaches analoges Messgerät, das auf den gestapelten Utensilien nahe der Kellerwand liegt, zeigt knapp unter 70% an; also alles im grünen Bereich was das Salz angeht.

Labyrinth von Motoi Yamamoto in Hamburg 2009

  • Große Bleichen 34
  • Work in progress: Vom 24.10 bis zum 27.10.2009 kann man sich tagsüber die fortschreitenden Arbeiten am Labyrinth ansehen.
  • Das fertige Labyrinth ist vom 29.10. bis zum 28.11.2009 besuchbar.
  • Der Eintritt ist frei.

Zur Finissage, am 28.11.2009 von 16:30-19:00, die gleichzeitig eine Zerstörung für das Labyrinth sein wird, als auch ein Neuanfang für das verwendete Salz, bittet Motoi Yamamoto um das Mitnehmen des Salzes und eine (Wieder-) Zuführung zum Meer durch die Besucher. Beim Ausschütten ins Wasser soll man sich fotografieren lassen und das Foto per Email an die Sammeladresse m@mikikosatogallery.com schicken. Die Bilder werden gesammelt und im Rahmen eines weiteren Projektes von Motoi Yamamoto präsentiert: Kreislauf zum Meer.

Links und Lesezeichen

Zum Neubau Große Bleichen 34

Positives über die moderne Architektur der erhaltenen und mit Geschichte aufgeladenen Fassade als Sinnbild für das Suchen eines eigenen Weges:

Im November 2009 stellt Famos Immobilien ein außergewöhnliches Projekt fertig. In den Großen Bleichen 34 ist dann ein moderner, die 100 Jahre alte Originalfassade integrierender Neubau entstanden. In einer spektakulären Aktion demontiert, eingelagert und schließlich als geschichtsträchtiges Antlitz des hochmodernen Büro- und Geschäftshauses wieder angebracht, wurde diese Fassade zu einem Stück Hamburger Geschichte der besonderen Art. Das um 1900 errichtete Ursprungsgebäude kam als “Kunst-Salon Louis Bock und Sohn”, einer weit über die Tore Hamburgs hinaus bekannten und bis in die 50er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts eng mit der Hamburger Kunsthalle kooperierenden Kunsthandlung, zu Ruhm und Ehre. “Als Erinnerung an diese große Zeit möchten wir unsere Immobilie mit einer Kunstausstellung eröffnen, wobei uns das zwanzigjährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Osaka auf die Idee brachte, dafür einen japanischen Künstler zu wählen. Die Werke Motoi Yamamotos zeigen symbolhaft die Komplexität des Lebens, des sich Orientierens und des Findens eines eigenen Weges. Aspekte, die auch uns im Verlauf der herausfordernden Baumaßnahme begleitet haben.”, so Reimund Schulz, Geschäftsführer der Famos Immobilien GmbH.

Quelle: Ankündigung der Mikiko Sato Gallery (Japanese Contemporary Art) und verbreitet in den Texten zur Ausstellung

Veröffentlicht am 24. Oktober 2009 von Markus Merz
Mark vom Sommer in Hamburg Magazin | 26. Oktober 2009 | Direktlink

Spannend. Danke für den Bericht!

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