Lohmühlengymnasium: Ein Kulturzug zum 50. Geburtstag mit Geschmäckle

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Ein lokalpolitischer Schienenbeintritt

Die Schüler des Lohmühlengymnasiums aus Hamburg St. Georg haben einen lauten und fantasievollen Umzug mit grob geschätzt 1.000 Teilnehmern durch die Lange Reihe in Hamburg St. Georg veranstaltet. Nach Zwischenveranstaltung vor dem katholischen Dom St. Marien in der Danziger Straße ging es zurück auf die Lange Reihe und hoch zum Hachmannplatz. Danach durften alle Schüler hinüber ins Schauspielhaus und das Theaterstück “Mutter Afrika” ansehen.

Das Ganze hat leider ein Geschmäckle, zumindest wenn man den knapp 90 Minuten langen Kulturzug lokalpolitisch betrachtet. Wie man unten nachlesen kann, wurde der Kulturzug zwar erheblich mit Geldern aus dem Stadtteil gefördert, aber die Lehrerkonferenz des Lohmühlengymnasiums mag sich wiederum nicht den Wünschen aus dem Stadtteil öffnen. Darüber sollte noch einmal geredet werden.

In beiden Fällen geht es um öffentliche Gelder.

Ein Minibeispiel für lokalpolitische Geplänkel:

Die Kulturzug Ankündigung des Lohmühlengymnasiums

Im Schuljahr 2009/2010 feiern wir den 50. Geburtstag unserer Schule.

Das Lohmühlen-Gymnasium gibt es dann ein halbes Jahrhundert. (…)

Wir wollen das Jubiläumsjahr mit einem besonderen Ereignis ‘einläuten’. Wir haben es Kulturzug durch St. Georg genannt. Was soll das bedeuten???

Wir werden mit der ganzen Schule (alle Schülerinnen und Schüler, alle Lehrerinnen, Lehrer und sonstige Bedienstete) am Freitag, den 18. September ab 17.00 Uhr durch St. Georg ziehen. Dabei zeigen wir Musik, Darbietungen, Objekte, Farben, Formen… also Kunst in vielerlei bunten und abwechslungsreichen Darbietungsformen. Auch unsere Partnerschule, die Schule Griesstraße, wird sich beteiligen.

Der Kulturzug führt ab 17.00 Uhr von unserem Schulhof durch St.Georg, über die Lange Reihe bis zum Hachmannplatz, vor das Schauspielhaus. Dort wird es eine Abschlussperformance geben. (…)

Er (der Kulturzug d. Red.) wird von Schülerinnen und Schülern aus ca. 50 Herkunftsländern gestaltet. Unser Kulturzug durch St. Georg endet am 18.09.2009 mit dem gemeinsamen Besuch einer Theateraufführung im Deutschen Schauspielhaus. Wir werden das Stück „Mutter Afrika“ sehen.

Quelle: Lohmuehlengymnasium.de

Lohmühlengymnasium: Lehrerkonferenz widersetzt sich Stadtteilinteressen

Im Vorwege dieser Geburtstagsveranstaltung gab es am 30. Juni 2009 während der 26. öffentlichen Sitzung des Stadtteilbeirates St. Georg-Mitte einen überarbeiteten Antrag des Lohmühlengymnasiums an den Verfügungsfonds mit der Bitte um Bezuschussung des Kulturzuges in Höhe von 2.500 Euro. Die Mittel wurden mit großer Mehrheit (Meinungsbild Plenum: ~40 Anwesende Ja: Mehrheit Nein: 2 Enthaltung: 3 / Votum Stadtteilbeirat: Ja: 10 Nein: 0 Enthaltung: 2) bewilligt.

Der folgende Auszug aus dem Protokoll ist deswegen interessant, weil einerseits ein typisches lokalpolitisches Problem zum Vorschein kommt, und andererseits ein thematisch völlig anders gelagertes Gremium ohne stadtteilplanerische oder politische Kompetenz über eine mögliche Problemlösung für den Stadtteil entschieden hat.

In Hamburg St. Georg ist es offensichtlich, dass auf Grund der verdichteten Bebauung und lukrativen Innenstadtlage besonders wenig öffentliche Freiflächen, speziell Sportflächen, existieren. Das Lohmühlengymnasium wiederum verfügt, direkt neben den intensiv genutzten öffentlichen Sportflächen im Lohmühlenpark, über einen nicht öffentlich zugänglichen Sportplatz. Dieser große und relativ spärlich möblierte Sportplatz ist leider vom öffentlichen Lohmühlenpark per Zaun abgetrennt. Außerdem wird dieser Sportplatz den größten Teil des Tages nicht benutzt.

Aus Sicht eines Laien sieht es so aus, als müsste nur der Zaun geöffnet, entfernt, versetzt oder ergänzt werden, um Hamburg St. Georg eine schicke, sowieso bereits mit öffentlichen Geldern bezahlte, zusätzliche Sportfläche zu bescheren. Wo ist das Problem?

Wie man nun im Protokoll nachlesen kann, wurde dieser Vorschlag auf der Lehrerkonferenz diskutiert und abgelehnt. Diesem Thema, das den gesamten Stadtteil betrifft, sollte auf jeden Fall weiter nachgesetzt werden. Ganz zu schweigen davon, dass die Schüler des Lohmühlengymnasiums natürlich – was ihr gutes Recht ist – die öffentlichen Flächen des Parks als Erholungsraum nutzen.

Das lokalpolitisch Interessante aus dem Protokoll

Zur Erinnerung: Der Antrag wurde vom Stadteilbeirat einstimmig angenommen und wird aus dem Verfügungsfonds mit Mitteln in Höhe von € 2.500,- gefördert.

Herr Niebler vom Lohmühlengymnasium St. Georg erklärt die Details des überarbeiteten Antrags zum „Kulturzug“ am 18.09.2009, insbesondere fallen Kosten für das Theaterstück „Mutter Afrika“ an, welches am Schluss des Zuges im Schauspielhaus gezeigt wird.

Herr Goritz möchte wissen, wie vielen Schülern das beantragte Geld zugute kommt, worauf Herr Niebler die Zahl von 600 Schülern nennt. (…)

Herr Voigtland (Bürgerverein d. Red.) ist für die Unterstützung des Projektes, erinnert aber an den Vorschlag, den Sportplatz des Lohmühlengymnasiums auch dem Stadtteil zur Verfügung zu stellen.

Herr Niebler erwähnt, dass dieser Vorschlag auf der Lehrerkonferenz diskutiert und abgelehnt wurde.

Herr Wilke (Einwohnerverein d. Red.) begrüßt das Projekt und würde sich wünschen, dass das Lohmühlengymnasium aktiv an Stadtteilbeiräten teilnimmt und über die Nutzung des Sportplatzes weiterhin diskutiert werden kann.

Quelle: Per Email als PDF zugesandtes Protokoll der Stadtteilbeiratssitzung

Forderung an das Lohmühlengymnasium

Unabhängig von dem gelungenen Kulturzug sollte die Lehrerkonferenz noch einmal über ihre gesellschaftliche Verantwortung für ihren (!) Stadtteil Hamburg St. Georg nachdenken. Es geht nicht darum, künstlich einen Skandal aus den bewilligten 2.500 Euro und der Ablehnung der Öffnung des Sportplatzes durch die Lehrerkonferenz zu konstruieren, sondern darum, dass der Stadtteil gerne mehr Sportflächen hätte und dass das Lohmühlengymnasium genau einen solchen ungenutzten Sportplatz hat und nicht zur Verfügung stellen möchte. Die Gründe dafür müssen politisch diskutiert und abgewogen werden.

Die Lehrerkonferenz ist es St. Georg schuldig, dass sie ihre Gründe auf einer Sitzung des Stadtteilbeirates präsentiert und zur Diskussion stellt.

PS: Es gibt noch mehr (und über die Jahre zunehmend) Flächen im Stadtteil, die den Bewohnern St. Georgs durch Zäune und Tore entzogen wurden.

Veröffentlicht am 18. September 2009 von Markus Merz

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