ARD-Exclusiv 'Die Armutsindustrie' - 30 Minuten, die wütend machen

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Hartz IV. Empfänger schaufeln Geld in die Taschen der Anderen

Welche Anderen das sind, die mit der legalen Ausbeutung von Arbeitslosen den Reibach machen, das kommt in den 30 Minuten ARD-Exclusiv ansatzweise heraus. Diese klassische TV-Reportage schildert ohne Aufregung anhand einiger Fallbeispiele den tatsächlich existierenden Wahnsinn auf dem Arbeitslosenmarkt der statistisch aus der Arbeitslosigkeit entfernten Ein-Euro-Jobber und stellt arglos einfach immer wieder die einfache Frage nach der ‘Gemeinnützigkeit’ des tatsächlich existierenden Arbeitslosenmarktes.

Natürlich werden komplexe Zusammenhänge vereinfacht, natürlich werden leider die politisch Verantwortlichen für diesen Schattenarbeitsmarkt nicht an den Pranger gestellt, natürlich sind die Menschen in der Reportage nur Beispielfälle, natürlich ist die Erklärung für den wirtschaftlichen Zwang schnell zur Hand, aber schön ist es doch, wenn die Chefs bei einfachsten Nachfragen rumeiern, sich selbst die Kompetenz auf dem real existierenden Schattenarbeitsmarkt absprechen, mit wolkigen Worten ihre unternehmerischen Leistungen am Standort Deutschland loben, aber dann eben doch keine überzeugende Antwort auf die Frage nach der Gemeinnützigkeit der in Anspruch genommenen Billigarbeitnehmer und Praktikanten parat haben. Die Christen der ‘Neue Arbeit’ haben am 16.7.2009 wenigstens eine verschwurbelte, aber lesenswerte (!), Erklärung nach gereicht (s.u. Links). Aber die Zahlenverfälscherei in der Arbeitslosenstatistik durch die kaum nachvollziehbare Entfernung großer Menschenmengen daraus, Menschen die eben doch auf Jahre hinaus faktisch arbeitslos sind und auch wissen, dass sie kaum eine Chance haben aus diesem Billigarbeitsmarkt zu entkommen, diesen Tatbestand anschaulich und nachvollziehbar gemacht zu haben, das ist der Verdienst der kurzen Reportage von Eva Müller.

Hätten Sie gewusst, dass die DEKRA arbeitslose Ein-Euro-Jobber Puzzle legen lässt? Fällt zehn Tage ein 5.000er-Puzzle legen unter gemeinnütziges fit machen für den sogenannten ersten Arbeitsmarkt?

Creezy schreibt: Wie aus dem Mangel an Arbeit

eine parallele Arbeitswelt entstanden ist. Was Trampolins mit Gemeinnützigkeit zu tun haben und wie die Bundesagentur für Arbeit den tariflichen Mindestlohn aushebelt. Warum man ein sechswöchiges Praktikum im Gemüseschnippelkurs absolvieren muss, bevor erst eine Eignungsfeststellung eines Menschen in die Akten aufgenommen werden kann.

Die sinnvollsten 30 Fernsehminuten, die ich seit langem von einem öffentlich rechtlichen Sender produziert gesehen habe. Die deutsche Politik hat es geschafft, dass Deutschland in kürzester Zeit im Lohnniveau mit China konkurrenzfähig geworden ist.

Quelle: Creezy bei ‘holy fruit salad!’

ARD-exclusiv: Die Armutsindustrie

Dankenswerterweise wurde die Reportage ‘ARD-exclusiv: Die Armutsindustrie (WDR)’ von Eva Müller nicht nur am Mittwoch, den 15. Juli 2009 um 21:45 Uhr in der ARD gesendet, sondern es gibt auch die Möglichkeit die Sendung nachzuholen. Nicht sichtbar in der öffentlich finanzierten Mediathek der ARD, aber als freiwillige Mediendienstleistung engagierter Mitmenschen bei z.B. YouTube.

Quote der Ausstrahlung am 15. Juli 2009

Dokumentation «ARD-exclusiv: Die Armutsindustrie», hier lag der Marktanteil bei bescheidenen 5,1 Prozent. Insgesamt schalteten lediglich 2,04 Millionen Zuseher zu, was 8,6 Prozent Marktanteil entsprach.

Quelle: Primetime-Check: Mittwoch, 15. Juli 2009

Links und Lesezeichen

  • Süddeutsche Zeitung Kein Ding machen (14.7.2009)
  • Lesenswerter Blogbeitrag bei Somlus Welt Offener Vollzug in der Beschäftigungsindustrie (16.7.2009)
  • Homepage des in der Reportage breit erwähnten Unternehmens Neue Arbeit. Die Neue Arbeit ist ein diakonisches Sozialunternehmen und Tochter der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart e.V., die neben der Ambulanten Hilfe e.V. Gesellschafterin der Neuen Arbeit ist.
    • Ein lesenswertes Dokument der Hilflosigkeit: ‘Neue Arbeit’ hat auch eine kritische Stellungnahme zur Sendung (PDF) abgegeben: Durch die Reduktion der Komplexität ist einiges in der Reportage verloren gegangen. Damit können bei einzelnen Betrachterinnen oder Betrachtern durch den Bericht teilweise falsche oder verzerrte Eindrücke entstehen. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um an einzelnen Stellen weiterführende Hinweise zur besseren Einordnung zu geben und grundsätzliche Positionen anzusprechen.
  • Die Standorte der in der Reportage ebenfalls breit abgedeckten DEKRA Toys Company. Das Ein-Euro-Job Prinzip wird hier geradezu zynisch verballhornt: Das Konzept TOYS Company: Eine “Modellfirma”, die nach den realen Bedingungen eines „normalen“ Wirtschaftsunternehmens funktioniert. Es gibt allerdings den kleinen Unterschied, dass das Unternehmen keinen Gewinn macht und alle das Gleiche verdienen: Einen Euro pro geleistete Arbeitsstunde.

Nachtrag: Extra widerlich: 1-Euro-Jobber zum Kleben von CDU/FDP Wahlplakaten gezwungen

Veröffentlicht am 19. Juli 2009 von Markus Merz
Ralf Meyer | 13. November 2009 | Direktlink

Ich hab heute morgen gerade diesen Bericht im Fernsehen gesehen und bin gelinde gesagt geschockt!
Es ist unglaublich,geradezu unfassbar was in diesem Land geschieht.
Man könnte am eigenem Verstand zweifeln!

Gruß Ralf Meyer

udo lambertz | 23. Februar 2010 | Direktlink

Ich kann Hr. Meyer nur zustimmen – unglaublich zu welchem Staat wir uns entwickelt haben – “Zwangspflicht zur Arbeitsaufnahme” für Alg-Bezieher ABER private Firmen bedienen sich dieser menschen und werde dafür noch durch Zuzahlungen belohnt…! Unglaulich was hier passiert – Politiker brauchen sich nicht zu wundern, daß das Volk unzufrieden ist.

U. Lambertz

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