Hamburg St. Georg: Komplettes Haus mit ~30 Mietparteien zum 28.2.09 gekündigt

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Knorrestraße 9  (Merckstift) in Hamburg St. Georg Knorrestraße 9 (Merckstift) in Hamburg St. Georg Knorrestraße 9 (Merckstift) in Hamburg St. Georg

Privates ‚Studentenwohnheim‘ wird innerhalb eines Monats komplett entmietet

Schock und Panik herrschen seit Freitag, den 30.1.2009, bei den Mietern des Hauses Knorrestraße 9 in Hamburg St. Georg. Per Boten wurden allen, knapp 30, Mietparteien in dem Haus, auch bekannt als Merckstift, die Kündigung ihrer Räume zum 28.2.2009 zugestellt. Das Haus gehört zum 1000 Töpfe Block und soll abgerissen werden. Die Bewohner des Hauses gegenüber dem Spielplatz im Lohmühlenpark sind hauptsächlich Studenten, aber es gibt auch Mieter, die dort bereits mehrere Jahre wohnen und schon lange keine Studenten mehr sind.

Linktipp für Mieter: Wohnen, Miete: kostenlose Hotline zur Mieterberatung vom Mieterverein (9/2006)

Eigentümer des Hauses ist die GbR Kertscher, Peter und Marcel Kertscher, die die Savills Immobilien Management Hamburg GmbH am 1. April 2008 u.a. mit der Verwaltung der Immobilie Knorrestraße 9 bevollmächtigt haben. Interessant, aber bis jetzt wohl ohne Belang für die geplante Neubebauung des 1000 Töpfe Blocks ist, dass sich die Vollmacht auch auf die Immobilie Knorrestraße 5-7, der gelbe Altbau links neben dem Merckstift, erstreckt.

Stephan Berger, einer der drei Geschäftsführer von Savills Hamburg, verfasste die Kündigung, datiert vom 28.1.2009. Savills ließ die Kündigung, nach Aussage mehrerer Hausbewohner, per Boten am 30.1.2009 zustellen. Als Begründung für die Kündigung des Mietvertrages über Ihr Zimmer im Studentenwohnheim Knorrestraße 9, 20099 Hamburg zum 28.2.2009 führt er an:

Wie Sie vielleicht in der Zeitung gelesen haben, ist das Grundstück verkauft worden. Der neue Eigentümer plant den Bau von Wohnungen und wird die Räumlichkeiten, in denen sich Ihr gemietetes Zimmer befindet, abreißen lassen.

Da die geplante Neubebauung auf dem 1000 Töpfe Gelände ja nicht erst seit dem 28.1.2009 bekannt ist, empfinden einige Bewohner der Knorrestraße 9 die kurzfristige Kündigung mit einmonatiger Kündigungsfrist zum letztmöglichen Termin als völlig unnötige soziale Härte. Erst recht dadurch, dass man, wie einige Bewohner mitteilten, sich der kritischen Situation bewusst war und mehrfach das Gespräch mit der Verwaltung gesucht habe, um eine verbindliche Aussage über die Zukunft der Mietsituation im Merckstift zu erhalten.

Fragen, die zu beantworten sind

  • Wodurch manifestiert sich die Immobilie als privates Studentenwohnheim?
  • Treffen auf die Knorrestraße 9 tatsächlich andere Vermieterrechte zu, als bei einer nicht als ‚Studentenwohnheim‘ deklarierten Immobilie?
  • Gilt die Kündigungsfrist von einem Monat für alle Bewohner?
  • Wie sieht denn der Bebauungsplan für die Immobilie bzw. das gesamte betroffene Gelände aus?
  • Zu welchem Zeitpunkt ist denn konkret der Abriss geplant und genehmigt?
  • Ist diese Massenkündigung aller Bewohner eines privaten ‚Studentenwohnheims‘ mit den zuständigen Behörden der Hansestadt Hamburg abgestimmt?

Für die betroffenen Bewohner der Knorrestraße 9, immerhin knapp 30 Mietparteien, darunter einige ausländische Studenten, ist es jetzt natürlich unglaublich stressig und belastend, in so kurzer Zeit eine neue und günstige Mietgelegenheit zu finden. Die Bewohner werden sich zusammensetzen, juristische Hilfe suchen und generell Alles tun, um einen Auszug so lange wie möglich heraus zu zögern. Auch Hilfe, Unterstützung und Solidarität von Seiten der Behörden und des Stadtteils wird gefordert.

Die großen sozialen Fragen, die im Raum stehen

  • Hätten die Firma Savills oder die Immobilieneigentümer Peter und Marcel Kertscher nicht lange vor einer solchen Massenkündigung das Gespräch mit den Ihnen vertrauenden Mietern suchen müssen?
  • Hätte diese, mir persönlich höchst unsozial erscheinende, Aktion nicht vermieden werden können, ja müssen, auch wenn sich herausstellt, dass rechtlich Alles mit rechten Dingen zugegangen ist?

Folgeartikel vom 16.2.2009

Veröffentlicht am 31. Januar 2009 von Markus Merz
Miroslaw Witt | 1. Februar 2009 | Direktlink

Sehr geehreter Herr Merz,
wir haben gestern in dem Haus gesprochen. Ich wollte mich in meinem und namen aller Mitbewohner des Hauses Knorrestraße 9 für den Artikel bedanken! Wir haben wie Sie wissen ein Einwohnertreffen am Montag, den 02.02.09 um 20.00 Uhr. Soweit ich weiß, wird auch Herr Joho dem Treffen beiwohnen.
MfG
M. Witt

Barthold Olbers | 2. Februar 2009 | Direktlink

Ich habe Ihnen am Sonntag meinen Kommentar geschickt und erst hinterher bemerkt, dass drei Schreibfehler darin waren. Hier folgt mein Kommentar ohne Schreibfehler:

Ich bin überrascht und erschüttert über die Mitteilung, dass die Mieter des Hauses Knorrestraße 9 innerhalb eines Monats ausziehen sollen. Ist diese kurzfristige Wohnungskündigung tatsächlich rechtens? Es wird für die Bewohner sehr schwer sein, innerhalb kurzer Zeit bezahlbare Wohnungen zu finden, insbesondere für Studenten, denen in der Regel nur wenig Geld zur Verfügung steht. Es kann jeder froh sein, der dieses Schicksal nicht teilen muss.

Ich bin Vorstandsmitglied der Deutschen Liga für Menschenrechte. Zu unseren Zielen gehört: „Wir wollen darüber informieren, was Recht ist, und darüber sprechen, was Recht sein sollte.“ Solidarität ist nötig! Die meisten Menschen entdecken ihre Sympathie für die Menschenrechte leider erst dann, wenn sie selber in Bedrängnis sind.

Das ist zu tun: Feststellen, ist das Recht tatsächlich auf Seiten des Vermieters? Welche Gesetze müssen geändert werden?

Liebe Mitbürger, Sie sind gefordert! Auch unsere Bundesregierung bekennt sich zu den Menschenrechten, leider vorwiegend in China und Afrika. Darum ist es wichtig, einen Verein zu stärken, der sich für die Menschenrechte in Deutschland einsetzt: Die 1914 von Albert Einstein mitbegründete Deutsche Liga für Menschenrechte e.V.

Barthold Olbers, Tel. (040) 65 39 00 63
olbers (at) gmx.de

Mieter | 2. Februar 2009 | Direktlink

in der MOPO wird bereits von einem 7-geschossigen Wohnhaus
auf dem 100 Töpfe_Grundstück berichtet … [02.02.2009]

(link)
http://www.mopo.de/2009/20090202/hamburg/panorama/1000_toepfe_ist_dicht.html

Barthold Olbers | 2. Februar 2009 | Direktlink

ich denke, den Mietern des Hauses Knorrestraße kann geholfen werden. Haben die betroffenen Mieter einen zentralen Ansprechpartner?

Barthold Olbers, Hamburg, Tel. 65 39 00 63

B. Iserath | 4. Februar 2009 | Direktlink

am 03. Februar haben ich und ein Zeuge fünfzehn Schriftstücke der Mieterschaft des
Hauses Knorrestr. 9 bei ‚Savills‘ übergeben. Die Unterschreibung einer Empfangsbestätigung
darüber wurde uns verweigert, so daß wir gezwungen waren – unter gegenseitiger Bezeugung
und Dokumentation des Übergebungs-Aktes – die Schriftstücke einzeln zu überreichen und zu
übergeben, damit es später nicht heißen kann von der ‚Existenz angeblich vorgelegter
Dokumente‘ wisse man nichts und es gäbe auch keine Belege, keine Zeugen und selbst habe
man auch nichts unterschrieben… und solchen Machenschaften vorzubeugen.
Ich würde denen inzwischen alles zutrauen.

Erich Gengerke | 26. Februar 2009 | Direktlink

Das integrative Sozialprojekt “Menschen mit Menschen – AUF KURS” erklärt sich mit den Bewohnern des Merckstiftes solidarisch und wünscht viel Erfolg bei der Verteidigung der legitimen Interessen. Es ist ein Skandal, dass ganz normale Rechtslagen in einer solch menschenverachtenden Weise bedroht werden.

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