Microbloggen: Identi.ca, Twitter, Facebook und 'Alles' in Friendfeed

Amazon: Bestseller , Preis-Hits , Suche nach Twitter

Eine kleine Empfehlung für einfaches, aber recht umfassendes Microbloggen

Nicht mehr und nicht weniger als eine Revolution im Medienbereich, in der deutschen Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet, findet derzeit auf dem Gebiet des Microbloggens statt. Revolutionär sind weniger die Inhalte als vielmehr die Aspekte Geschwindigkeit, Einfachheit, Kontrolle und Konsumierbarkeit. Die bekannteste Microblogging-Plattform in Deutschland dürfte Twitter sein, evtl. gefolgt von den Statusmeldungen bei Facebook.

Zuerst einfach mal zuhören

Der wichtigste Tipp für etwas verschreckte Microblogging-Anfänger lautet wahrscheinlich „Man kann auch einfach nur zuhören“. Microblogging ist eine Kommunikationstechnik: Man kann senden und man kann empfangen. Will man einfach nur die neuesten Nachrichten verfolgen, dann registriert man sich bei einem Microbloggingdienst wie Twitter, abonniert ein paar Nachrichtensender wie z.B. Spiegel, BBC und Tagesschau und schon erreichen einen Microblogging-Nachrichten mit weiterführenden Links zu den ganzen Artikeln frisch aus dem Microblogging-Nachrichtenticker im Internetbrowser der Wahl.

Empfehlung: Meine Abonnements auf bekannte Nachrichtenquellen durchsehen und diese bei Gefallen abonnieren. Twitter verfügt über die meisten klassischen Medien.

Kostenloses Empfangen und Senden

Sind Blogs gerade erst ein wenig als Alternativmedien bekannt geworden und haben in der Folge eine Nachrichtensendetechnik namens RSS bekannt gemacht, so bricht seit einiger Zeit eine Welle an Microbloggingdiensten über das Internet herein. Kurz gesagt ist Microblogging so etwas wie die Handy-Textkurznachrichten per SMS, nur dass Microblogging im Normalfall nichts kostet, viel einfacher geht, viele Leute/Abonnenten auf einmal erreicht und keine Einbahnstraße darstellt.

Empfehlung: Ein paar Personen folgen, mitlesen was diese so schreiben und bei Bedarf ins Gespräch per Antwort/Reply einsteigen. Es kann nicht schaden als Microblogging-Anfänger so etwas wie ein „(neu hier)“ einzuflechten.

Microblogging-Abkürzung: Ab ins kalte Wasser…

Microblogging ist einfach und extrem selbsterklärend, allerdings bleiben die meisten potenziellen Benutzer bereits an der Sinnfrage „Was soll der Quatsch?“ hängen. Es hilft nichts, man muss Microblogging-Empfangen und -Senden einfach mal selber ausprobieren, um dahinter zu kommen, warum Microblogging fasziniert, informiert, total angesagt ist und alle klassischen Nachrichtenleute einen hochroten Kopf bekommen, wenn mal wieder Nachrichten per Microblogging schneller um die Welt gehen als der gemeine Nachrichtenredakteur ‚Papp‘ sagen kann.

Eine kleine Warnung bezüglich Twitter und Facebook

Die beiden Dienste Twitter und Facebook sind extrem erfolgreich, aber eigentlich nicht als ausschließliche Lösung zu empfehlen, weil sowohl Twitter als auch Facebook geschlossene Angebote sind, deren a) Fortbestand, b) Weiterentwicklung c) Datenschutz und d) Vernetzbarkeit in den Händen von Firmen liegen. Die Situation wird auch häufig mit den Anfängen von Email verglichen; am Anfang waren es geschlossene Angebote ohne Austausch zwischen den geschlossenen Benutzergruppen. Die Nutzung von Email ist erst explodiert, als es offene Standards und Lösungen gab. Ähnlich wird sich Microblogging entwickeln und heute geschlossene Lösungen wie Twitter werden sich öffnen müssen oder sie werden untergehen.

Empfehlung: Auf jeden Fall ein Twitterkonto anlegen, aber parallel auch offene Lösungen wie z.B. identi.ca oder bleeper.de nutzen. Tipp: Auf Plattformen wie Facebook oder XING sind die Statusmeldungen ein Feature, das man sehr simpel z.B. per Twitter aktualisieren kann.

Finger weg zumindest bis man genau weiß was man will: Der Microblogging-Markt entwickelt sich sehr dynamisch und es gibt mittlerweile bereits viele kostenpflichtige oder geschlossene Lösungen für z.B. Firmen oder spezielle Nutzerkreise wie z.B. Broker.

Meine einfache, aber umfassende Microblogging-Lösung

Ich benutze mehrere Microblogging-Dienste mit verschiedenen Zielsetzungen. Wichtig ist mir die einfache Möglichkeit Gott und die Welt über die eigenen Ergüsse zu informieren. Genauso wichtig ist es mir effektiv und einfach meine Microblogging-Nachrichtenquellen zu verfolgen. Wenn man dieses Monitoring nicht vernünftig im Griff hat, dann vergeudet man leider sehr viel Zeit sehr ineffizient mit diesem Monitoring.

Quatschen und zugequatscht werden gut organisiert

  1. Konversation auf identi.ca identi.ca/m1, identi.ca/m1/all. Je nach Zeit, Lust und Laune publiziere ich hier kurze Meinungen, Empfehlungen und (weniger) was ich gerade so treibe. Die Microblogger, denen ich auf identi.ca folge, sind relativ stark handverlesen. Andererseits habe ich das Feature ‚auto-abonnieren‘ eingeschaltet, d.h. jeder der mich abonniert wird auch automatisch bis auf Weiteres von mir abonniert.
    • Die Entscheidung für identi.ca ist stark von der verwendeten Technik geprägt worden. Identi.ca verwendet die OpenSource Software Laconica. Alle Laconica Server sind über ein freies und offenes Protokoll vernetzbar. Wird also ein Server geschlossen, dann macht man halt auf einem anderen Server weiter.
  2. Alle meine identi.ca Nachrichten werden auch an twitter.com/Markus_Merz weitergeleitet. Ausnahmen sind nur persönliche Antworten (diese fangen mit @ an).
    • Diese Twitter-Weiterleitung ist eins der schicken Features bei Laconica. Als Publizist trifft man so bereits effizient zwei Leserkreise.
  3. Alles einsammeln bei friendfeed.com/merz1. FriendFeed ist die derzeit angesagte Lifestream Lösung für Leute, die a) selber auf vielen Kanälen im Internet quatschen/publizieren, b) derartigen Publizisten an einer Stelle folgen wollen und c) dann auch noch bei FriendFeed ihre Kommentare bei einzelnen Beiträgen hinterlassen wollen.
    • Man kann Microblogging durchaus auf FriendFeed anfangen und danach entdecken um wie vieles simpler die anderen Microblogging-Dienste gestrickt sind. Andererseits besteht der Charm von Twitter & Co. eben gerade in der verblüffenden Einfachheit. Meine Meinung: FriendFeed ist nicht unbedingt Microblogging anfängertauglich, aber sehr mächtig als Lifestream für Fortgeschrittene.
  4. Konversation auf FriendFeed. Eine Lifestream-Lösung wie FriendFeed ist die einzige vernünftige Möglichkeit zu allen möglichen Quellen an einer einzigen Stelle seinen Kommentar abzugeben. Erstens kann man bei vielen Quellen gar nicht kommentieren z.B. bei Lesezeichen auf delicious.com und zweitens lassen sich nur bei FriendFeed die Kommentare zu einem Eintrag direkt verfolgen.
  5. Von FriendFeed aus poste ich automatisch einige meiner sonstigen Sachen zu Twitter weiter. So bekommen meine Twitter Abonnenten automatisch mit, wenn ich ein Foto zu Flickr hochlade, einen Artikel hier veröffentliche, ein Video bei YouTube favorisiere, etc. Das ist sehr praktisch und lässt sich für jede eigene Lifestream-Quelle einstellen.

Der ganze Microblogging-Arbeitsablauf ist darauf ausgerichtet möglichst viele Abonnenten zu erreichen, selber möglichst einfach für Antworten erreichbar zu sein und, ganz wichtig, die Informationsflut so zu kanalisieren und zu kondensieren, dass ich einen sehr schnellen Überblick über Aktuelles habe.

Es gibt noch wahnsinnig viele weitere Einstellungen, Programme, Filter, Erweiterungen und andere Dienste, die das ganze Thema Microblogging weiter vereinfachen und beschleunigen, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Vielleicht ein andermal mehr oder einfach mal selber auf die Suche gehen.

Das grobe Original schrieb ich neulich als Kommentar auf einen Blogartikel

I like my momentary microblogging workflow which is pretty easy to monitor:

- Conversation on identi.ca (http://identi.ca/m1/, http://identi.ca/m1//all) – Crosspost original messages (not starting with @) to Twitter (http://twitter.com/Markus_Merz) – Collect everything on FriendFeed (http://friendfeed.com/merz1) – Conversation on FriendFeed – Crosspost some sources from FriendFeed to Twitter

I like the way identi.ca works and how Laconica is developed (see the server list).

I am pretty new on FriendFeed but this is definitely the direction to follow when thinking about lifestreaming & microblogging + threaded conversation. FriendFeed makes the most sense to me & I am already loving it.

Microblogging Conference 2009 in Hamburg

Am letzten Januar-Wochenende 2009 findet in Hamburg die erste deutsche Microblogging Konferenz, die bereits ausgebuchte MBC09, statt. Auch die nächste deutsche Microblogging Konferenz wurde bereits für Köln im September 2009 angekündigt.

Veröffentlicht am 17. Januar 2009 von Markus Merz

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