Deutsche Bahn & ÖPNV: Diverse Fälle von 'Kinder aus Bahn geworfen'

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Lawine von aus Zügen hinausgeworfenen minderjährigen Mädchen

Wenn ein Kind alleine unterwegs ist, z.B. mit der Deutsche Bahn AG, wer ist dann wohl die Vertrauensperson, an die ein Kind sich wendet, wenn es Probleme hat? Das einzig Beruhigende an den unsäglichen Geschichten ist die deutliche Reaktion der Deutsche Bahn AG gegenüber derart untragbaren Zugbegleitern. Ich hoffe, dass der Grundsatz Kinder nicht wegen fehlender Fahrausweise rauszuwerfen unternehmensweit deutlich kommuniziert wird – Dunkelheit hin oder her.

Mit dem Kinderweitwurf in Parkentin fing die Lawine der aus Zügen der Deutsche Bahn AG geworfenen Kinder an. Mittlerweile zeigen die weiteren Fälle betroffener Kinder, wobei die Dunkelziffer um einiges höher liegen dürfte, dass es wohl ein massives Kommunikations- und Schulungs- und Qualitätskontrolle-Problem bei der Deutsche Bahn AG gibt. Auch der gesunde Menschenverstand der SchaffnerInnen darf angezweifelt werden, wenn Minderjährige einfach so raus geworfen, Proteste Mitreisender ignoriert und Anrufe bei den Eltern verweigert werden.

12-jähriges Mädchen musste im Dunkeln mit Cello fünf Kilometer nach Hause laufen

Eigentlich sollten Mädchen nicht allein im Dunkeln unterwegs sein. Es sei denn, sie werden dazu gezwungen: Weil eine Zwölfjährige ihre Fahrkarte vergessen hatte, wurde sie aus dem Zug geworfen. Weil ein zwölfjähriges Mädchen ohne Fahrschein unterwegs war, ist sie von einer Zugbegleiterin in der Dunkelheit in Parkentin bei Rostock ausgesetzt worden. Die Bahn bestätigte einen entsprechenden Bericht der Ostsee-Zeitung vom Mittwoch.

Quelle: Deutsche Bahn AG setzt Mädchen ohne Fahrschein in Dunkelheit aus

Deutsche Bahn AG verursacht Würgereiz – Geldprämien für Schwarzfahrer

Zeichnet sich hier evtl. doch ein klitzekleines Problemchen bei der Deutschen Bahn ab? Nicht, dass ein derartiger Zugbegleiter dadurch tragbarer würde, aber:

Fakt ist: Seit ein paar Monaten werden bei der Bahn Geldprämien für erwischte Schwarzfahrer vergeben.

Quelle: Zwölfjährige ausgesetzt – Bahn weist Prämien-Motiv der Schaffnerin zurück

Nachtrag: Wieder ein Mädchen von Deutsche Bahn AG Schaffner ausgesetzt

7. November 2008 – Schülerausweis vergessen – Bahn setzt erneut junges Mädchen aus

Bei der Deutschen Bahn ist schon wieder eine Minderjährige von einem Zugbegleiter mitten auf der Fahrtstrecke vor die Tür gesetzt worden. Das Mädchen saß in Brandenburg in einem Regionalexpress und hatte seinen Schülerausweis vergessen. Das Mädchen durfte noch nicht einmal seine Mutter anrufen.

Quelle: Bahn setzt erneut junges Mädchen aus

Nachtrag II: Neuer Deutsche Bahn Rauswurf in Berlin und Hamburg

Abgesehen von ethischen Gesichtspunkten, gab es meines Wissens schon immer die Dienstanweisung, dass Minderjährige bei der Deutschen Bahn der Bahnpolizei übergeben werden. Wie das bei Verkehrsverbünden wie dem HVV aussieht, weiß ich allerdings nicht, aber da steigen die Kontrolleure nach meinen Beobachtungen zumindest immer mit aus.

Liebe SchaffnerInnen der Deutschen Bahn

Bitte halten Sie sich doch einfach an die simpel zu verstehende Dienstanweisung.

Seit den bisherigen Fällen müssen die Kundenbetreuer im Nahverkehr eine Dienstanweisung befolgen: Minderjährige dürfen nicht des Zuges verwiesen werden, so ein Bahnsprecher. Wer dagegen verstoße, müsse mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Quelle: 14-jährige Berliner Schülerin wurde trotz Fahrausweis des Zuges verwiesen

Zur Wiederholung (24.10.2008):

Dabei ist die Rechtslage nach Angaben von Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost eindeutig: “Mitarbeiter müssen sich entsprechend der Eisenbahnverkehrsordnung verhalten, und diese besagt, dass allein reisende Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht von der Fahrt ausgeschlossen werden dürfen.

Und der Fall der Luca aus Hamburg vom 23.8.2008 war mir bis jetzt nicht aufgefallen. Kein Wunder bei einer derartigen Lawine von aus Zügen hinausgeworfenen Minderjährigen. 2007 passierte es lt. dem Artikel auch bereits einer damals erst 17-jährigen. Und mitten in der Nacht an einem toten Bahnhof im Kreis Harburg zu überleben (Ironie!?) ist vielleicht etwas für Rüdiger Nehberg, aber nicht unbedingt passend für minderjährige Mädchen. Der Begriff ‘netter Herr’ löst bei mir jedenfalls spontan eher Beklemmungen aus (ohne dem Helfer auf die Füße treten zu wollen).

Luca Schick (14) wurde mit Sack und Pack aus dem Zug geworfen, weil sie keine Eurocity-Karte hatte, sondern nur eine für die Regionalbahn. … Die Hamburgerin Tanja Schuit (18) hat Ähnliches wie Deborah und Luca erlebt. Sie sei am 4. März 2007 von einem Schaffner gegen 23.15 Uhr in Ashausen (Kreis Harburg) aus der Regionalbahn gewiesen worden, mit der Begründung, ihr HVV-Ticket sei nicht bis Winsen/Luhe gültig, erzählt sie. “Aus Verzweiflung fing ich an, mitten in der Nacht an wildfremden Haustüren zu klingeln”, erzählt die junge Frau, die damals noch 17 war. Ein netter Herr, der die Tür öffnete, habe sie schließlich nach Winsen gefahren.

Quelle: 14-Jährige wurde aus dem Zug geworfen

Nachtrag III: Deutsche Bahn AG München – 12-jähriges Mädchen aus S-Bahn geworfen

Und Martina ist nicht einmal so richtig böse ohne Fahrkarte schwarz gefahren. Das 12-jährige Mädchen hatte eine nicht mehr gültige Kinderstreifenkarte durchaus korrekt abgestempelt. Unprofessionelle S-Bahn-Kontrolleure!

Die Münchener Abendzeitung am 12. November 2008:

“Entweder du zahlst 40 Euro oder du steigst aus”: Mit diesen Worten haben zwei S-Bahn-Kontrolleure am Samstag Martina Richter aus München in Eichenau aus dem Zug geschmissen. Das Mädchen ist erst zwölf Jahre alt…

Quelle: Zahlen oder raus!

Nachtrag IV: 11-jähriger Junge aus Bus geworfen

Diesmal nicht die Deutsche Bahn AG sondern der Rauswurf eines Schülers aus einem Bus des Unternehmens RegioBus in der Nähe von Hannover.

Das Hamburger Abendblatt via dpa am 2.2.2009:

Weil er seine Schülerfahrkarte für den Bus zu Hause vergessen hatte, musste ein Elfjähriger aus Uetze bei Hannover knapp neun Kilometer zu Fuß nach Hause laufen. Der Junge hatte auch kein Geld dabei, um sich ein Einzelticket zu kaufen.

Quelle: Busfahrer lässt Nico (11) neun Kilometer laufen

Nachtrag V: HVV Kontrolleure warfen Mädchen aus dem Bus

Und wieder einer von diesen unsäglichen Fällen aufgesammelt beim Hamburger Abendblatt am 9.2.2009:

HVV: Kontrolleure warfen Mädchen fünf Kilometer von zuhause aus dem Bus

Weinend stand Mareike am Straßenrand

Die Schülerin aus Boberg hatte ihre Monatskarte vergessen. Der Verkehrsverbund spricht von einem bedauerlichen Vorfall. Die Mutter ist empört über das Verhalten.

Mareike Kühnel wusste nicht mehr, was sie tun sollte. Sie war fünf Kilometer weit weg von zu Hause und hatte Angst. Die Zehnjährige wurde von einem Kontrolleur aus dem Bus der Linie 12 gebeten und am Straßenrand stehen gelassen – weil sie ihre Jahreskarte zu Hause vergessen hatte. Auch den am Vorfall beteiligten Fahrkartenkontrolleuren scheint ihr Vorgehen im Rückblick unangenehm zu sein. Sie hätten das Mädchen vielleicht nicht allein lassen sollen, sagen sie – jetzt.

Quelle: Weinend stand Mareike am Straßenrand

Veröffentlicht am 11. November 2008 von Markus Merz

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