Hamburg, St. Georg, Sicherheit: Weniger Kriminalität durch mehr Überwachung?

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Kann man Sicherheit technisch lösen?

Heute mal ein etwas trockeneres Thema als gestern, aber nichts-desto-trotz auch ganz schön stürmisch. Eine Aufforderung zum Selber-Recherchieren und -Nachlesen!

Kriminalität, Fahndung, Überwachung: Ein paar Vorgedanken

Neulich das höchstrichterliche Urteil gegen Rasterfahndung ohne konkreten Anlass. Die verurteilte Rasterfahndung brachte übrigens keinen einzigen konkreten Tat-Verdächtigen zutage, gegen den erfolgreich ein Verfahren hätte eingeleitet werden können!

Demnächst die Fußball-WM und das bereits im Vorfeld von Politikern eingestandene Unvermögen alle Gewalttaten verhindern zu können. So etwas, wie den 16-jährigen, der in einem Amoklauf wahllos auf Menschen in einer Menschenmenge einsticht, kann man nicht verhindern! Zur Problematik der allumfassenden Sicherheits-Überprüfung im Rahmen der ‘Fifa Fußball-WM 2006’ sagt z.B. der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Hartmut Lubomierski:

250.000 Personen werden also durchleuchtet, das geht, weil es die Technik hergibt. Wenn dazu Karteikarten hätten gesichtet werden müssen, dann hätten sich die Sicherheitsbehörden herzlich bedankt. Heute läuft das aber alles per Computer, geht sekundenschnell und kostet fast nichts, und dann wird es eben auch gemacht. So lässt sich die Polizei zum Erfüllungsgehilfen der FIFA machen. Und ich sage noch mal: Alles für einen privaten Auftraggeber, der einen bisher nicht da gewesenen und auch nicht verhältnismäßigen Sicherheitscheck einfordert. [Link zum ganzen Interview s.u.]

Symbolfoto: Überwachungs-Kamera im Hamburger HauptbahnhofStändig die Forderung der Sicherheitsbehörden nach mehr Überwachungs-Instrumenten und Vorrats-Datenhaltung. Passend dazu das hilflose und technisch unsinnige Urteil, dass Forenbetreiber im Internet alle (!) Beiträge vor Publik-Machung auf rechtliche Zulässigkeit zu kontrollieren haben.

Update 30.10.2006: St. Georg, Hansaplatz: Video-Überwachung ab 2007

Jetzt am Wochenende der traurige Fall eines Raub-Überfalls auf ein kleines Geschäft in Hamburg St. Georg der (mal wieder) betroffen macht und parallel dazu die Meldung, dass die Zahl der Körperverletzungen in Hamburg um gut 170% gestiegen ist.

Hamburg, St. Georg: Raubüberfall auf Tabak- und Zeitschriftenhändlerin

Ein Fall

Die Polizei Hamburg meldet für Samstag Mittag, den 27.5.2006 erneut einen Überfall auf den Tabak- bzw. Zeitungsladen in der Danziger Straße:

Update I.: Phantombildfahndung nach Raubüberfall in Hamburg St. Georg Die Fahndung mit dem Phantombild hängt auch deutlich in mehreren Schaufenstern in Hamburg St Georg.

Update II.: Nur wenige Tage später (Pfingstsamstag) wurde dreist in das benachbarte An- und Verkauf-Geschäft eingebrochen. Das Gitter vor dem Schaufenster wurde wohl mit einem Bolzenschneider durchtrennt und die Schaufenterscheibe danach eingeworfen.

Update III.: Brutaler Räuber von St. Georg ist ein Serientäter. Mordversuch: Mann (32) gefaßt. Er hatte eine Ladeninhaberin gewürgt. Auch in München und Hannover beging er Verbrechen. ... (Hamburger Abendblatt am 13.6.2006)

Tabakwarengeschäft in Hamburg-St.Georg überfallen

Hamburg (ots) – Tatzeit: 27.05.2006, 12:10 Uhr
Tatort: Hamburg-St.Georg, Danziger Straße

Die Hamburger Polizei fahndet nach einem Mann, der gestern Mittag ein Tabakwarengeschäft überfallen hat und mit 300 Euro Beute unerkannt flüchtete. Das Raubdezernat (LKA 43) hat die Ermittlungen übernommen.

Die Geschäftsinhaberin (64) hatte gerade die Ladentür verschlossen, als der spätere Täter anklopfte und bat, noch Zigaretten kaufen zu dürfen. Die 64-Jährige schloss daraufhin wieder auf und ließ den Mann ein. Der Mann stieß die Geschädigte sofort in ein Hinterzimmer des Geschäfts und würgte die 64-Jährige, bis sie das Bewusstsein verlor.

Der Täter raubte anschließend die Kasseneinnahmen, schloss die Geschädigte in dem Geschäft ein und flüchtete unerkannt.

Die Geschädigte wurde ca. 20 Minuten nach der Tat von Bekannten befreit und in ein Krankenhaus eingeliefert. Sie konnte zwischenzeitlich entlassen werden.

Der Täter kann wie folgt beschrieben werden:

  • vermutlich Osteuropäer
  • 30 bis 40 Jahre alt
  • 180 bis 185 cm groß
  • kurze, dunkle, zurückgekämmte Haare
  • trug zur Tatzeit eine dunkle Stoffjacke

Hinweise auf die beschriebene Person nimmt die Verbindungsstelle im Landeskriminalamt unter der Rufnummer 4286-56789 entgegen.

Hamburg, Kriminalität: Steigerung der Gewalttaten

Die Statistik

Am 27.5.2006 veröffentlichte das Hamburger Abendblatt den Artikel Körperverletzung auf Hamburgs Straßen: Zahl der Taten steigt um 172,4 Prozent. In dem HA Artikel geht es zwar um die politischen Gefechte rund um die Zahlen für 2005, aber eben diese Zahlen werden auch genannt:

Gab es im Jahr 2004 noch 908 Fälle insgesamt in Hamburg, waren es im vergangenen Jahr bereits 2473 Taten, bei denen Menschen vor allem bei Prügeleien oder Messerstechereien zum Teil schwer verletzt wurden.

Auffallend ist die Ballung der Taten im Bezirk Mitte. So gab es auf St. Pauli mit 525 Körperverletzungen mehr als doppelt so viele wie 2004, in St. Georg stieg die Zahl der Taten von 31 auf 171.

Einfach mal kurz nachlesen …

Ist technische (Video-) Überwachung eine Lösung?

Die technische Lösung: Monitoring

Überwachungs-Kamera im Hamburger HauptbahnhofOder sind alle Forderungen nach technischen Lösungen doch eher ein Zeichen für innenpolitische Unsicherheit wenn nicht gar Unfähigkeit? Ist es sinnvoll auf dem Hansaplatz x Kameras zu installieren? Warum installiert man nicht vor dem amerikanischen Generalkonsulat x-Kameras und stellt eine vollverglaste Polizei-Wache mit Bürgerkontakt nach japanischem Vorbild auf den Hansaplatz?

Die Datenmenge und die veröffentlichte Meinungs-Vielfalt ist viel zu groß und vielfältig, um mal eben die eine weise Antwort geben zu können. Aber die Trends zum Thema “Sicherheitshysterie” sind klar … die deutsche Internet Publikation Telepolis aus dem auf Technologie-Themen spezialisierten Heise Verlag (Hannover) bietet eine hohe Artikeldichte zum Thema:

Die Google News zum Thema Video-Überwachung sind deswegen so interessant, weil man sich zuerst doch sehr über die Breite der angebotenen Nachrichten-Themen wundert. Bis man sich damit beschäftigt und merkt, dass Video-Überwachung mittlerweile tatsächlich zu einem eigenen Meta-Thema, einem Über-Thema, geworden ist.

Deutschland, Arbeitslosigkeit, Hartz IV.: Und dann ist da noch das liebe Geld … Ein Motiv für den aggressiven Stimmungswandel auf der Straße?

Die Bedürftigkeit und das soziale Klima

Die Süddeutsche veröffentlicht am 29.5.2006 eine kurze und bündige Übersicht über das was bedürftige Arbeitslosengeld II. Empfänger bekommen:

Arbeitsmarkt – Nachhilfe in Hartz IV

Von Freibeträgen, Zuschlägen und Sanktionen: Wie viel Geld Empfänger von Arbeitslosengeld II wirklich haben.

Hier geht der momentane Trend ja auch massiv dazu über die Bedürftigkeit noch weiter nach unten zu definieren. Das kann man ja gerade alles live verfolgen und sich dabei fragen, wie am Ende wohl diesmal der politische Kompromiß auf dem Rücken der Bedürftigen aussehen wird. Die ‘sozial verantworliche’ Wirtschaft ist dabei mit dem Gejammer über die zu hohen Lohn-Nebenkosten auch nicht gerade hilfreich, wenn es darum geht mehr Geld in die Kasse der Arbeitsagentur zu spülen.

Fotos: Markus Merz 2006, Artikelbild: Überwachungs-Kamera Hamburg Hauptbahnhof

Veröffentlicht am 29. Mai 2006 von Markus Merz

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