Hamburg Flughafen: Airbus A320 Beinahe-Katastrophe bei Orkan (Video)

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Video vom Beinahe-Crash eines Lufthasa Airbus in Hamburg am Flughafen

Kurz vor 14 Uhr am 1.3.2008 will der Pilot die Lufthansa-Maschine landen. Orkan ‘Emma’ hatte am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel extrem kurz vor der Landung eine Orkanböe dagegen zu setzen. Das davon gedrehte Beinahe-Crash Video verbreitet sich schneller im Internet als die klassischen Medien digital, elektronisch oder gedruckt folgen können. Ein Videofilmer hielt das Ereignis direkt am Flughafen im Film fest und veröffentlichte das Beinahe-Absturz Video bei liveleak.com. Trotz extremer Seitenbewegung und Bodenberührung mit der linken (und rechten?) Tragfläche gelang dem Piloten das extreme Durchstartmanöver. Es blieb bei der spektakulären Beinahe-Katastrophe. Hier im Artikel sind diverse Videos von extremen Seitenwind-Landungen verlinkt, aber das Video vom Beinahe-Absturz eines A320 in Hamburg Fuhlsbüttel ist ganz besonders spektakulär.

Hamburg: Airbus A320 Beinahe-Crash Video bei Seitenwind-Anflug am Flughafen

Der Pilot später laut Bild: “Ein anspruchsvoller Anflug …”

“Das ist extrem, so etwas habe ich auf einem deutschen Flughafen noch nicht gesehen.” Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu SPIEGEL ONLINE

Anmerkung: Evtl. wird das Video gesperrt bzw. gelöscht werden, wenn ein Fernsehsender die Lizenz kauft. Aber hier hat jemand zwei Standbilder von dem Beinahe-Crash des Airbus A320 per Screenshot bereit gestellt (groß! + unten mehr Links):

Dieses Beinahe-Absturz Video wird bestimmt ein zukünftiger Lehrfilm-Klassiker zum Thema ‘Seitenwind Landungen und Durchstarten’ im Pilotenunterricht weltweit werden.

Das Wetter am Flughafen Hamburg zum Zeitpunkt des Beinahe-Crash

Der Sturm nimmt nochmals an Stärke zu, erreicht jetzt in den nächsten 2 Stunden seinen Höhepunkt!!

Aktuell: Sa, 01.03. 14:00 58 Km/h im Durchschnitt
Beaufort 7
94 Km/h Spitzengeschwindigkeit
300 ° NW Windrichtung

Landungen: Runway 33 aktiv. (Der Beinahe-Crash war auf der 23)
Augenzeugen berichten zufolge muss jedes 2-3 Flugzeug durchstarten!!!

Quelle (leicht editiert): Thomas2077 am 1.3.2008 um 14:26.

Medien, Reaktionen, Internet

Der Spiegel hat für die Online-Ausgabe schnell recherchiert und eine Bestätigung für das tatsächlich am Flughafen Hamburg am 1.3.2008 stattgefundene Durchstartmanöver bekommen.

Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber bestätigte den Zwischenfall: “Es gab gestern mehrere Durchstarts in Hamburg”, sagte er im Gespräch SPIEGEL ONLINE. “Einer davon betraf unsere LH 044.” An Bord befanden sich 131 Passagiere. Unmittelbar vor dem Touchdown habe die Böe den Airbus erfasst, “die Piloten haben superprofessionell reagiert und die Maschine hochgezogen”. Das beschädigte Winglet sei bereits repariert worden, am Montag könne das Flugzeug wieder starten.

Quelle: Orkanböe erfasst Flugzeug – Beinahe-Crash in Hamburg

Vorher hatten Internetbenutzer per Twitter (“gestern in Fuhlsbüttel – http://snurl.com/20rvx – das war knapp. schönen gruß an alle frequent flyer!”) und Blogbeiträgen die Nachricht vom Flughafen Video bereits verbreitet.

Schnelle und kompetente Berichte und Fotos in Internetforen

  • Im Flugsimulatorforum fsboards.de wird fachmännisch der Flugzeugtyp diskutiert: Es ist ein A320 und zwar die “Suhl” D-AIQP.
  • Bei aviation-community.de gab es den Orkan ‘Emma’ sogar als angekündigtes Flugzeugspotter Leckerli am Flughafen Hamburg: da wird es sicherlich einige umleitungen bzw. spektakuläre landeversuche geben am airport. Dort erfolgte wohl auch die erste Meldung: 1.3.2008 16:58: Ein Airbus von LH hats gerissen (Wingtip beidseitig) Foto kommt von Lars… und kam das erste Foto vom Flughafen (1.3.2008 17:03 Foto leider weg, aber hier verlinkt). Mit ‘Lars’ ist der “BILD-Leser-Reporter Lars Tretau (20)” gemeint, der seine Beinahe-Crash Fotos noch zu Geld machen konnte (Link s.u.).
  • Im Forum hamburg-airport-friends-forum.de gibt es einige spektakuläre Flughafen Vorfeld Fotos von Landungen in Hamburg und auch die Winglet-Schäden vom Beinahe-Crash sind dokumentiert (Oha, viele Besucher beim 1.3.08 :).
  • Wer selber mal am Flughafen Hamburg Fuhlsbüttel (HAM) als Spotter aktiv werden möchte, der findet auf diesem Bild die guten Beobachtungspunkte: HAM spotting points. Die für die Spotter wichtigsten Fotografierpunkte am Flughafen Hamburg gibt es auch auf zwei Infoseiten: hamburg-airport-friends.de und sehr hübsch bei hamburg.fuairliner.net. Und bei den Google Karten ist auch eine Karte für Flughafen HAM Spotter verfügbar.

Bild online hat den coolen Spruch des Piloten von LH 004 (korrekt: LH044 d. Red.) München-Hamburg mit 131 Passagieren am Bord:

Beim Aufsetzen drückte eine Böe die linke Tragfläche Richtung Boden. Wir leiteten sofort das Durchstarten ein – ein Verfahren, das in der Ausbildung oft trainiert wird. Ein anspruchsvoller Anflug …

Und ein paar Leserreporterfotos im Artikel Pilot verhinderte Flugzeug-Katastrophe am Flughafen Hamburg.

Nachtrag: Behörden untersuchen Beinahe-Katastrophe am Flughafen Hamburg

Die Beinahe-Katastrophe mit 131 Passagieren auf dem Hamburger Flughafen hat Folgen: Die Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung hat nach Informationen von WELT ONLINE Ermittlungen aufgenommen. Die Maschine hätte wegen des Orkans auf eine andere Landebahn umgeleitet werden müssen.

Quelle: Behörden untersuchen Beinahe-Katastrophe (welt.de 3.3.08 – Auch mit einer eigenen Version des Beinahe-Crash Videos)

Nachtrag: So einfach wie einparken?

Gut geschriebene Beschreibung des Standard Landemanövers bei Seitenwind und eine harsche Kritik anhand des Videos von der Beinahe-Katastrophe und den mittlerweile bekannt gewordenen Fakten im Tagesspiegel am 4.3.2008 (Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 05.03.2008).

Der Beinahe-Absturz des Airbus in Hamburg war keine Bagatelle

(…) Weil ihn eine Böe von der Landebahn abgetrieben hatte, stellte der Pilot seine Maschine im letzten Moment noch stärker in den Wind. Den dadurch sehr großen Vorhaltewinkel versuchte er kurz vor dem Aufsetzen durch eine schnelle Ruderbewegung zu korrigieren. Dabei richtete er ohne Bodenkontakt des Hauptfahrwerks die Nase auf die Landebahn aus. In diesem instabilen Moment konnte eine Böe unter die Tragfläche greifen und dem Flieger einen Schubs verpassen – erst jetzt entschloss sich die Crew zum Durchstarten. (…)

Quelle: So einfach wie einparken?

Nachtrag: Bildblog kritisiert Bild Zeitung Flughafen Grafik

Die Bild hatte eine sehr schöne Infografik vom ersten Beinahe-Crash Anflug auf Landebahn 23 und der anschließenden erfolgreichen Landung auf Runway 33. Leider hatte die Grafik ein paar Mängel, was bei Bildblog im Detail erklärt wird. Derjenige, der die Grafik erstellt hat, hätte eigentlich nur ein wenig im Internet gucken müssen. Diverse beschriftete Luftaufnahem sind ja schließlich verfügbar (s.o. HAM spotting points).

Wer sich ein bisschen mehr mit dem Fliegen auskennt, kann auch an der Ausrichtung erkennen, dass die auf der “Bild”-Grafik als “Landebahn 33” bezeichnete Landebahn gar nicht die 33 sein kann. Die 33 steht nämlich für die Flugrichtung 330 Grad, also Nordwest und nicht Südost (im Uhrzeigersinn von Norden ausgehend gemessen), wie auf der “Bild”-Grafik. Und wer sich richtig gut auskennt, der wüsste sogar, dass, anders als “Bild” schreibt, nicht der auf der Bahn 23 vorhandene “Landekurssender” den Piloten veranlasst haben dürfte, statt der 33 zunächst die 23 zu wählen. Einen Landekurssender hat die 33 nämlich auch. Die 23 verfügt jedoch über ein sogenanntes ILS (wovon der Landekurssender nur ein Teil ist). Informationen über alle Landebahnen und ihre Ausstattung gibt es hier.

Quelle: Bei ‘Bild’ hakt’s noch

Nachtrag: CNN führte ein Telefoninterview mit einem LH044 Mitflieger (Video)

Interview mit Dave Gering, der während der Beinahe-Katastrophe in der LH044 saß. Umfangreiches recht persönliches Interview (auf Englisch).

CNN.com’s Nicole Lapin talks with I-Reporter Dave Gering about his experience on a plane that nearly crashed.

Links und Lesezeichen

  • Wikipedia: Seitenwindlandung – Umfangreiche Informationen zu physikalischen und mathematischen Grundlagen und Seitenwind Landetechniken inkl. Wasserflugzeug Seitenwindlandung.

Durchstarten – Take Off Go-Around (TOGO)

This (go-around procedure d. Red) is easily remembered by the mnemonic “5Cs” — Cram it, Climb it, Clean it up, Cool it, and Call it!, or sometimes the “5 Ups”: Power Up, Nose Up, Gear Up, Flaps Up, Speak Up.

Im aktuellen Fall gefällt mir besonders gut das “Clean it up” :)

Weitere Seitenwind Landungen im Video

Nebel ist auch fein beim Landeanflug

Go-Around: Wie das Airbus ‘Fly by wire’ Computersystem hilft

Airbus Flugzeuge werden nicht mehr direkt z.B. per Drahtseil gesteuert. Stattdessen werden alle Piloteneingaben von redundanten Computersystemen abgefangen. Diese computerunterstützten Flugsysteme erlauben den Piloten näher an die festgelegten physikalischen Grenzen zu gehen.

Das klassische Beispiel ist das ‘in einen Berg fliegen’ Dilemma. Der Pilot ist auf Kollisionskurs mit einem Berg und muss das Flugzeug mit maximaler Steigrate hochziehen. Überschreitet der Pilot die maximale Belastung des Flugzeugs, dann vermeidet er zwar den Berg, aber dafür fliegt im evtl. das Flugzeug um die Ohren oder das Flugzeug gerät in eine nicht mehr beherrschbare Fluglage. Die Airbus ‘Fly by wire’ Computerprogramme erlauben es dem Piloten Maximaleingaben zu machen ohne dass der Airbus in die Gefahr gerät die Maximalwerte zu überschreiten. Dadurch kann der Airbus besser auf der Schneide eines solchen Dilemmas balanzieren, als es ein Pilot alleine vermag.

Ein ehemaliger Airbus Pilot beschreibt die mögliche Airbus TOGA (take off and go-around) Halbautomatik in einem Airbus Flugsimulator Computerspieltest so:

Eines der eindruckvollsten Manöver in einem (echten d. Red.) Airbus: „Go-Around Thrust, Flaps one Step, Gear up!” heisst die Sequenz und falls der Autopilot noch aktiv ist, hat man nichts weiteres zu tun, als staunend zu beobachten, wie rasant der Pitchaufbau erfolgt, sobald man die Throttles in das TOGA-Gate geschoben hat.

Fachlich passende Links zum Go-Around mit dem Airbus

  • Fachmännische Diskussion vom September 2006: airliners.net Das häufig erwähnte TOGA bedeutet ‘take off and go-around’.
  • Die Airbus Flight Control Laws von Unofficial Airbus Study Site. Die Seite sammelt Informationen für angehende Airbuspiloten, die sich auf ihre Airbus-Flugerlaubnis vorbereiten wollen. Dort gibt es auch eine beeindruckende Liste von Airbus Abkürzungen. nette Erklärung: Acronyms used by ECAM, MCDU, PFD, ND, and System Descriptions ECAM z.B. steht für ‘Electronic Centralized Aircraft Monitoring’.
  • Dort gibt es ebenfalls die inoffiziellen Aussagen von Airbuspiloten, was bei Seitenwind Landungen, wie hier in Hamburg beim Beinahe-Crash einer A320, zu tun ist: Unofficial Crosswind Landing Techniques

Here’s a collection of responses directly from line pilots concerning just how they handle a crosswind landing in the Airbus. Please feel free to add your own rendition. Just jot it down in an Email and send it my way. I’ll post it anonymously to share with the group … This material is definitely UNOFFICIAL in nature!

Geplanter Durchstart mit einem Militärjet (Video)

So sieht ein normales Durchstarten übrigens im Training aus:

You need a flash player to see this movie.

Direktlink: F/A-18C/D Militär Jet beim Durchstarten/ca. 50 Meter Entfernung

Veröffentlicht am 2. März 2008 von Markus Merz

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