Hamburg St. Georg: Camorra Boss bei Franco festgenommen

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Festnahme von Gennaro Rinaldi – Hintergründe und Lesezeichen

Der Camorra-Clanführer Gennaro Rinaldi wurde Mittwoch, den 10. Oktober 2007 gegen 22:20 bei Gastronom Franco Calfa in der Bottega Italia an der Langen Reihe 41 verhaftet. Die Bottega Italia ist ein familiengeführtes italienisches Bistro/Restaurant, das sich wg. der familiären Atmosphäre über die Jahre einen guten Ruf bei Anwohnern und in St. Georg Arbeitenden erworben hat.

Am 11.10.2007 um 12:22 Uhr gab es die trockene Pressemitteilung der Polizei Hamburg zur Festnahme eines “führenden Mitglieds einer der Camorra-Clans aus Neapel” in Hamburg St. Georg an der Langen Reihe. Die Ausgabe der Hamburger Morgenpost hatte die Nachricht dann bereits in der Nachtausgabe zum 12.10. auf dem Titel. Das Hamburger Abendblatt veröffentlicht vier Artikel. Eine Übersicht:

Bottega Italia: Lange Reihe 41, 20099 Hamburg

Die Bottega Italia ist das ‘blaue i’ in der Kartenmitte: Straßenkarte

Pressemitteilung der Polizei Hamburg

Bei dem Gesuchten handelt es sich um ein führendes Mitglied einer der Camorra-Clans aus Neapel. Im Jahr 2006 wurde der 48-Jährige in Italien wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt und tauchte unter.

Umfangreiche Ermittlungen der Zielfahnder führten auf die Spur des Beschuldigten. Gestern Abend gelang es den Zielfahndern, den 48-Jährigen beim Verlassen eines italienischen Restaurants im Hamburger Stadtteil St. Georg zu verhaften.

Quelle: Pressemitteilung Polizei Hamburg – Zielfahnder des Hamburger Landeskriminalamtes verhaften international gesuchten Straftäter

Hamburger Morgenpost

Hamburger Abendblatt

Alle Artikel vom 12.10.2007. Auszüge:

Hinter dem Schlagwort Mafia verbergen sich im Wesentlichen vier Gruppen: Cosa Nostra, ‘Ndrangheta, Camorra und Sacra Corona Unita. (…) Die neapolitanische Camorra, der auch der in Hamburg gefasste Rinaldi angehören soll, besteht im Gegensatz zu den anderen Gruppen als loses Netzwerk ohne Führungspersonen. Sie soll etwa 6000 Mitglieder haben und vorwiegend in Neapel operieren.

Quelle: Die Spielarten der Mafia

Rinaldi gilt als einer der Finanzchefs der Camorra, einer Mafia-Vereinigung, die im süditalienischen Neapel ihre Wurzeln hat.

Nach Verurteilungen in Abwesenheit zu insgesamt 30 Jahren Haft hatte sich “O’Lione” 2006 aus Italien abgesetzt – laut Ermittlern direkt nach Hamburg. Seit dem 5. Oktober suchte die Hamburger Kripo nach dem Camorra-Boss.

Quelle: Polizeicoup Zugriff im Restaurant Mafia-Boss in Hamburg festgenommen Der “Löwe von Villa” führte Camorra-Clan in Neapel. Eine Frau hatte ihn angezeigt.

Es war nicht der erste Abend am Tresen des Restaurants Bottega Italia: In dem kleinen Restaurant soll der Camorra-Boss seit etwa einem halben Jahr regelmäßig ein- und ausgegangen sein – ein gern gesehener Gast. “Ich hätte alles von dem gedacht – aber niemals, dass er ein gesuchter Verbrecher sein soll”, sagt Wirt “Franco”. “Er war immer ein sehr zuvorkommender und angenehmer Gast. Ein richtig feiner Herr, der sich auch mal freiwillig an einen anderen Tisch gesetzt hat, um anderen Gästen Platz zu machen.” Man habe sich angefreundet, sei mal zusammen etwas trinken gegangen.

Gastronom Calfa, ebenfalls aus Neapel, half seinem Landsmann mit seinen Deutschkenntnissen, denn Rinaldi sprach kein Wort Deutsch. “Einmal bat er mich, ihm etwas aus der Apotheke zu besorgen, als er Mandelschmerzen hatte.” Was aber Rinaldi, der meistens allein in der Bottega Italia aß, beruflich machte oder wo er in St. Georg wohnte, darüber sprachen die beiden Neapolitaner nicht, so Calfa: “So etwas frage ich meine Gäste nicht. Erst nach seiner Festnahme habe ich erfahren, was für eine große Nummer er in Italien war.”

Quelle: Festnahme Mafiaboss Gennaro Rinaldi sitzt in U-Haft Der ‘Löwe’ wollte Geburtstag feiern – da kamen die Fahnder Der Italiener war aus Neapel geflüchtet und in Hamburg untergetaucht. Jetzt soll er ausgeliefert werden.

Laut Silvana Fucito, der Frau, die Rinaldo wegen Schutzgelderpressung in Neapel anzeigte, wird der Mafia-Boss auch wegen Mordverdachts gesucht. Fucito hatte das Gesetz des Schweigens gebrochen und sich geweigert, Schutzgeld für ihr Farbengeschäft zu zahlen.

Silvana Fucitos Kampf gegen die Camorra hatte europaweit Schlagzeilen gemacht.

Quelle (s.o.): Mafia-Boss in Hamburg festgenommen

Silvana Fucito in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt:

Rinaldi ist allerdings nur einer von 15 Mitgliedern der Bande, die uns erpresste. Ein anderer wurde immerhin letztes Weihnachten in Italien gefasst. Wir haben keinen Mangel an Clans, die Schutzgelder fordern. Allein in unserem Viertel San Giovanni a Teduccio gibt es sieben verschiedene Clans, die mit Schutzgeldern, Drogenhandel und Wucher Geld verdienen. Hoffentlich bleibt Rinaldi lange im Gefängnis!

Quelle: Silvana Fucito – die Frau, die Gennaro Rinaldi hinter Gitter brachte

Veröffentlicht am 12. Oktober 2007 von Markus Merz

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